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V. Heiratsschwindler C. Sogennanter Abtreibungsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

92 Großstadt-Dokumente 23b. 21. Berliner Schwindel.

„Geehrtes, gnädiges Fräulein!

Ihre Hypotheke ist zwar ganz gut, aber wenig mit zu machen. Sie hat gerade gelangt dazu, daß der Budiker Schulze nach vielem Widerstreben mir 100 Mark gestern abend nach einer größeren Zeche daraus geborgt hat. Ich habe sie ihm, da er ohne Ihre Unterschrift doch damit nichts machen kann, um ihm Weiterungen zu ersparen, lieber aus seinem Pult, in das er sie gelegt hatte, im Laufe des Abends wieder gestohlen und sende sie Ihnen, um Ihnen den Beweis meiner Treue und Anhänglichkeit zu geben, anbei zurück. Das übrige ist allerdings futsch und da ich, wie Sie wissen, bereits drei Kinder und eine Nichte habe, so ist mir das Heiraten wieder leid geworden. Wir werden uns deshalb nicht wiedersehen und da Sie mir im übrigen auch zu streitsüchtig waren, so gebe ich Ihnen den guten Rat, sich erst einen sanfteren Charakter zuzulegen, wenn sie wieder einmal auf Freierfüßen gehen.

Sie brauchen übrigens beim Magistrat nicht anzufragen, wo mein Bureau ist, denn es ist schade, wenn Sie Ihre Zeit unnütz verlausen.

Mit Gruß und Kuß

Ihr ganz gewogenes

Kunochen.

Am zweitfolgenden Tag wurde sie aus den Alexanderplatz bestellt, wohin das Polizeirevier ihre Anzeige abgegeben hatte, und es wurde ihr eröffnet, daß nach ihrer Beschreibung es sich zweifellos um jenen Heiratsschwindler handele, den die Polizei schon seit langem suche, der sich namentlich älteren Mädchen nähere, um ihnen die Ersparnisse, gleichviel in welchem Betrage, abzunehmen. Ihr Fall sei seit drei Monaten der 50. und da vorher

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