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V. Heiratsschwindler C. Sogennanter Abtreibungsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

V. Heiratsschwindler.

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selben Wohnungen zu bleiben, wechselten ebenso oft als die falschen, in den Annoncen angegebenen Namen.

Die Besucherinnen waren meistens jene unglücklichen Geschöpfe, welche sich in der Lage fühlten, den Rat einer solchen, in Berlin unter dem ominösen Namen „weise Frau" bekannten Person in Anspruch zu nehmen. Die „Klugheit" der Frau Möller bestand aber wohl hauptsächlich darin, daß sie die Dummheit ihrer Kundinnen ausbeutete. Sie verstand nämlich von den Dingen, bezüglich deren ihre Besucherinnen ihr eine besondere Klugheit zutrauten, in Wirklichkeit gar nichts. Sie war nichts als Waschfrau gewesen. Dagegen nahm sie allerlei Manipulationen mit den Personen vor, die in ihren Opfern den Glauben erweckten, als ob ihre Helferin eine Handlung mit ihnen vornähme, die den von ihnen erstrebten Erfolg haben könnte. Je nach dem Aussehen der Persönlichkeit schwankte der Preis zwischen 20 bis 300 Mark für diese persönliche Behandlung. Die Kundinnen mutzten oft, wenn sie nämlich den Betrag nicht aus einmal bezahlen konnten, zu mehreren Sitzungen erscheinen; sobald jedoch der Betrag voll bezahlt war, hörte stets die „Behandlung" auf.

Manche der armen Betrogenen merkten demnächst nicht, daß die Möller ihnen gar nichts genutzt hätte, weil durch irgend einen zufälligen Umstand oder dergleichen das gewünschte Ergebnis ohnedies eingetreten war. Diejenigen aber, welche merkten, daß sie betrogen waren, getrauten sich nicht, etwas zu sagen. Einige, welche mutiger waren, machten der Polizei Anzeige, schrieben auch unter den angegebenen Adressen Briefe, in welchen sie die Rückgabe der gezahlten Beträge verlangten.

Die Polizei konnte anfangs nicht hinter die Sache kommen, bis durch einen Zufall eine der Kundinnen, die
        
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