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V. Heiratsschwindler B. Zwecks Betrugs

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

86 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel. 
Leuten nicht gefragt habe, sondern nebenan, nach der 
Wohnung des Steuereinnehmers Brummer, der allerdings 
ein Schild nicht an der Tür gehabt habe, da er sich erst 
demnächst hätte mit ihr verheiraten wollen. 
Als sie dies angab, prustete der Portier derartig vor 
Lachen, daß ihr der Speichel zum Teil in das Gesicht 
flog und sie sich entrüstet mit ihrem seinen, zu Weihnachten 
von der Herrschaft geschenkten Spitzentaschentuch das Ge¬ 
sicht abwischte. 
„Nanu, was soll das?" bemerkte sie. 
„Aber MadameKen, Sie sind auch eine von die, die 
geheiratet werden wollten? Sie sind nun heute schon 
die sechste und seit der Exmission ungefähr die zwanzigste, 
bloß daß er sich bei Ihnen Brummer genannt hat, von 
wegen der Abwechselung. Er scheint da die Reihe ein¬ 
gehalten zu haben, denn bei den anderen hieß er Flieger, 
Läufer, Läufer, Minder, Stecher, Necker, und bei einer, 
die ganz niedlich und drollig aussah, hatte er sich sogar 
den rundlichen Namen Kreisel zugelegt. 
Stina mutzte sich an der Haustür halten, fiel aber 
dann doch — einen solchen Schrecken hatte sie bekommen — 
der Länge nach in den Hausflur. Die mitleidige Frau 
des Portiers kam heraus, beide trugen sie in ihre Stube 
und kühlten sie etwas, bis sie sich erholt hatte. 
Art guten Ermahnungen ließen die erfahrenen Por¬ 
tiersleute es auch nicht fehlen. Sie seien nun mal schon 
alt, früher hätten sie bessere Tage gesehen und seien auch 
schon mal in der Villa eines Kommerzienrates bedienstet 
gewesen, aber dann hätte er — der Portier — nicht 
mehr so mit der Gelenkigkeit fortgekonnt, und was 
bliebe da übrig, da seien sie froh gewesen, die Portier¬ 
stelle in der Mulackstratze zu bekommen. Viel als Portier 
habe er nicht zu tun, denn wenn er etwas nicht sehe, 
was im Hause vorkomme, so sei das in der Regel besser,
        
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