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V. Heiratsschwindler B. Zwecks Betrugs

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

V. Heiratsschwindler. 
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Zahren, die anscheinend eben aus dem Bette aus¬ 
gestanden war. 
Entsetzt über solchen Anzug prallte Sttna zurück. 
Brummer aber beruhigte sie sofort; es sei dies seine 
Nichte, die Tochter eines Pfarrers. Er wolle seine 
Kinder, die bisher in fremder Pflege gewesen, jetzt 
wieder zu sich nehmen, die Nichte solle bis zur Hoch¬ 
zeit die Wartung übernehmen. Sie müßten beide der 
guten Amalie sehr dankbar sein, daß sie heute früh 
mit dem Zuge eingetroffen, nachdem sie die ganze Nacht 
durchgefahren; aus diesem Grunde habe sie noch ge¬ 
schlafen. 
Stina beruhigte sich. Amalie holte etwas Kuchen, 
es wurde Kaffee getrunken und die Räume schienen ganz 
gemütlich zu sein. 
Nach etwa einer halben Stunde klopfte es heftig an 
die Tür. Herr Brummer ging hinaus und bat Sttna, 
sich nicht stören zu lassen. Man hörte einen Wort¬ 
streit. Brummer kam mit etwas gerötetem Gesicht nach 
einiger Zeit zurück, es war wieder still. Er drängte 
aber dann doch zum Ausbruch, da er ihr noch eine 
Vorstellung im Schiller-Theater zeigen wolle, in diesem 
Schauhaus würden ordentliche „solide" Stücke wie „Die 
Räuber" gegeben, mit der Zeit wollten sie sich alle 
diese Stücke ansehen und deshalb beizeiten ansangen. 
Der Abend verlief äußerst gemütlich, Amalie war 
mitgegangen. Herr Brummer brachte Sttna pünktlich 
nach Hause und sie verabredeten sich für den zweitnächsten 
Sonntag, bis wohin die Papiere beschafft und das Auf¬ 
gebot besorgt werden sollte. 
Als sie aus dem Theater kamen und die Ecke der 
Friedrichstraße erreichten, war Amalie ausgestiegen. Aus 
die besorgte Frage von Sttna, ob sie denn auch allein 
nach der Mulackstraße finden könne, war sie dahin be-
        
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