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V. Heiratsschwindler B. Zwecks Betrugs

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

82 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel.

Käuferin tätig sein solle. Dadurch könnten sie ihr Einkommen verdoppeln. Während Stina bisher nur etwas über 100 Mark Zinsen von ihrem Kapital per Jahr habe, könne sie Künftig 2000 Mark jährlich verdienen. Es sei hierzu eine gute Gelegenheit, denn an der Ecke der Mulackstraße sei gerade ein Zigarrenladen frei; dies Geschäft sei, weil der jetzige Inhaber krank geworden, sofort zu verkaufen, wenn 1000 Mark bar als Anzahlung geleistet werden könnten. Er lehne es natürlich ab, diese etwa von ihr anzunehmen, wolle sich vielmehr an seinen Bruder, welcher Forstmeister sei, wenden.

Hiergegen protestierte aber Stina energisch; wenn er Vertrauen zu ihr habe, müsse sie es auch zu ihm haben, und wenn er ein Geschäft für sie einrichte, könne sie es selbst bezahlen.

Nach vielem Drängen entschloß er sich, eins der Sparkassenbücher über 1000 Mark von ihr anzunehmen. Er begleitete sie bis zur Haustür und sie holte es rasch herunter.

Am folgenden Sonntag gegen vier Uhr trafen sie sich wieder. Stina drängte daraus, die Wohnung und den Zigarrenladen zu besichtigen. Nach einigem Zögern sah Brummer ein, daß er ihr nicht gut widersprechen könne, nahm eine Droschke und beide fuhren nach einigen kreuz- und Querfahrten bis zur Mulackstraße. In einem ziemlich verdächtig aussehenden Hause, das Stina gar nicht recht gefallen wollte, weil sie in ihrer „hochherr-schöstlichen" Kochstellung nicht mehr an derartige Häuser gewöhnt war, erklommen sie zwei winkelige knarrende Treppen und klopften schließlich in Ermangelung einer Klingel rechts an eine braungestrichene Tür mit abgegriffenem Drücker.

Zunächst wurde nicht geöffnet; nach einiger Zeit aber öffnete eine Frauensperson in den zwanziger
        
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