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V. Heiratsschwindler B. Zwecks Betrugs

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

80 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel.

mittag um V26 Uhr in die Konditorei „Alpenröschen" in der Parkstraße. Erkennungszeichen: Taschentuch in linker Hand.

Ihr Sie aufrichtig verehrender

Auno Brummer, Steuereinnehmer des Preußischen Staates der Stadtgemeinde Berlin und Umgegend."

Es war dies gerade jener Sonntag, an dem sie schon vor Mieze, wie wir berichtet, um vier Uhr das Haus verlassen hatte. Pünktlich um Va5 Uhr war sie mit dem Taschentuch in der linken Hand in der bezeichneten Konditorei erschienen. Ein älterer Herr mit fahlem Gesichtsausdruck und kurz geschorenen Haaren erhob sich, trat aus sie zu, bat sie, neben ihm Platz zu nehmen und ließ ihr eine Tasse Schokolade geben. Daraus begann die Unterhaltung.

Er erzählte ihr, wie er seit Jahren Witwer sei, mit seinen Kindern äußerst zurückgezogen lebe, die Kinder seien öfter kränklich gewesen, weshalb sie der mütterlichen Pflege bedürften. Er habe noch eine vollständige Wohnungseinrichtung von seinem Haushalt her und bewohne in der Mulackstraße zwei Stuben und Küche. Nichts sei geeigneter, als hier ein gemeinsames Heim aufzuschlagen. Sein Einkommen sei sicher und beim nächsten Zusammentreffen werde er auch in seiner Uniform sich vorstellen. Er schlage vor, sich zwar vorläufig schon „du" zu nennen, aber sonst reserviert zu bleiben, denn er müsse erst ihren Charakter kennen lernen, namentlich ob sie auch wirklich „zu Kindern sehr lieb" sei.

Auf Stina hatte der Herr zwar einen etwas eigentümlichen Eindruck gemacht, trotzdem aber sagte sie sich, so übel sei er nicht, wenn er es nur ehrlich meine, werde es schon gehen. Als er gelegentlich sagte, daß sie keiner-
        
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