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V. Heiratsschwindler A. Zwecks Einbruch

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

V. Heiratsschwindler.

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Sie beichtete nunmehr weinend das erlebte Abenteuer, verschwieg auch nicht, daß der brave, ehrenwerte Herr Drechsel, den sie mit aller Kraft ihres Herzens verteidigte, eine Zeitlang die Tasche getragen und daß der Freund desselben, „Herr Müller", sich mit der Garderobenmarke entfernt hatte.

Nach und nach wurde allen der Einbruch, Mieze aber die Tatsache klar, daß doch vielleicht August ihres Vertrauens würdiger gewesen wäre als Herr Drechsel, wenn er auch nicht so sein angezogen sei und die Tasche so zierlich zu tragen verstehe.

Herr Schaumer überließ nunmehr der Polizei die weitere Verfolgung der gewerbsmäßigen Einbruchsdiebe. Es war offenbar, daß solche bei ihm gehaust hatten, die als Spezialität die Beraubung von Wohnungen betreiben, in denen an Sonn- und Feiertagen nachmittags niemand anwesend, worüber sie sich durch Anknüpfung zarter Beziehungen zu den Dienstmädchen, von denen sie auch noch die Schlüssel erschwindeln, und die sie zugleich während der Dauer des Einbruchs geschickt von Hause fern zu halten verstehen, Gewißheit verschaffen.

Herr Schaumer selbst schien nicht übermäßig über den Einbruch erregt zu sein, obwohl er angab, daß aus dem Schreibtisch unbedingt 3000 Mark in Scheinen gestohlen sein müßten, abgesehen von dem Silbervorrat und den Schmucksachen, die außerdem vermißt wurden.

Er erklärte auch der Mieze, welche vielmals weinend um Entschuldigung bat, verzeihen zu wollen, „weil sie erst so kurze Zeit in Berlin sei".
        
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