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V. Heiratsschwindler A. Zwecks Einbruch

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

V. Heiratsschwindler.	73

Pakete zu verlieren, sich auch in der höflichsten Weise erbot, als sie sich für den Hinweis bedankt hatte, ihr beim Tragen behilflich zu sein.

Da sie reichlich zehn Minuten zu gehen hatte, so entwickelte sich ein angeregtes Gespräch und Mieze konnte nur mit Wohlgefallen ihre Blicke auf dem stattlichen jungen Manne ruhen lassen, zumal sie noch unmittelbar den Eindruck des im Arbeitsanzug morgens erschienenen August vor sich hatte, der nun doch in den Umrissen ihres Gedächtnisses eine etwas ländliche ungeschickte Figur annahm.

Sie blieben deshalb noch weitere zwanzig Minuten im Gespräch in der Nähe des Hauses, in welchem Mieze diente, stehen, und der junge Kunstmaler Drechsel, wie er sich vorgestellt hatte, setzte ihr ausführlich auseinander, welche Schönheiten und Sehenswürdigkeiten in Berlin sie noch nicht gesehen habe, die er ihr zeigen wolle.

Da er „zufällig" auch an den beiden folgenden Abenden sie beim Einholen überraschte, so ließ sie sich dazu bewegen, da sie einen weiteren Weg vorhatte und deshalb mit Hut und Iaquett versehen war, eine kleine Konditorei in einer Seitenstraße des Kurfürstendammes mit ihm auszusuchen, woselbst er ihr erklären wollte, welch herrliche Partie er für Sonntag mit ihr vorhabe.

Es paßte dies ganz gut, weil sie gerade künftigen Sonntag ihren Ausgehtag hatte. Sie hatte ihm auch schon verraten, daß sie eigentlich mit ihrem Freunde August sich um fünf Uhr habe treffen wollen. Sie sah jedoch ein, daß dies ganz zwecklos sei, denn August hatte ihr noch nicht einmal gesagt, wo sie hingehen wollten, während Herr Drechsel nicht nur die mehr idealen Freuden einer Waldpartie, einer Gondelfahrt, als auch die realeren eines eleganten Berliner Tanzlokals in den schönsten Farben ihr schilderte.
        
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