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V. Heiratsschwindler A. Zwecks Einbruch

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

72 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel.

entschlossen den Dienst angetreten und befinde sich seit vierzehn Tagen hier.

Sie war nicht wenig stolz aus den nun ihrer Gewalt unterworfenen häuslichen Machtbereich, in dem sie als besonderen Clou dem erstaunten August zunächst einen Schacht zeigte, welcher durch das ganze Haus an den Küchen entlang ging und durch den man „das Müll", wie sie sich schon auszudrücken gelernt hatte, hinunterwerfen konnte, so daß „man" nicht „runter" brauche.

Demnächst nahm die Unterhaltung jedoch einen mehr persönlichen Charakter an und endete erst nach längerer Zeit, ungestört von der Herrschaft, von der noch niemand aus war, mit der für nächsten Sonntag getroffenen Abrede, nachmittags um fünf Uhr zusammen auszugehen.

August erschien denn auch pünktlich um fünf Uhr Sonntag Nachmittag in seinem neuen Kutscheranzug, den er sich geleistet, versehen mit einem Veilchenstrauß. Er mutzte sich aber, nachdem er eine Stunde gewartet und schließlich oben sogar vergeblich die Klingel gezogen hatte, wieder entfernen, da ihm nicht geöffnet und ersichtlich niemand zu Hause war. Er tröstete sich, daß Mieze sicher durch Aufträge ihrer Herrschaft an der Einhaltung der Verabredung gehindert gewesen.

Es war jedoch anders.

An dem Abend, an welchem morgens Mieze zu ihrer Freude den August in seinem gewöhnlichen Alltagskutscheranzug wieder gesehen hatte, hatte sie abends am Viktoriaplatz Einkäufe zu besorgen. Als sie aus dem hellerleuchteten Schlächterladen heraustrat, folgte ihr ein elegant gekleideter junger Mann, der sie an der Ecke der Tauentzien- und Eisenacher Straße, wo es etwas weniger hell war, einholte und daraus aufmerksam machte, daß sie im Begriff sei, eins ihrer
        
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