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IV. Die schwarze Bande

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

IV. Die schwarze Bande.

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Es hatte nämlich Gelbstock, um sich nicht dem Müßiggänge zu ergeben, mit seinem vorausgefahrenen Freunde in London sich getroffen und beschlossen, geschäftlich noch kurze Zeit in London tätig zu sein und zwar in der alten, von Berlin her gebräuchlichen, aber in einer in das Englische übersetzten Weise.

Sein Freund hatte sich eine Wohnung als Mr. Iohn-stone in London gemietet. Bei ihm hatte der angebliche „Attach6" Graf von Beye aus Deutschland, der sich in London studienhalber aufhielt, um später seine diplomatische Laufbahn fortzusetzen, Wohnung genommen. Er wandte sich an die ersten deutschen Firmen, unter Berufung aus seinen Vermieter als „Referenz", um durch „einige fehlende Ergänzungsstücke seinen englischen Haushalt" zu vervollständigen.

Die so im Wege der sogenannten Schlittensahrerei erzielten Sachen kamen, soweit englische Händler nicht das genügende Verständnis dafür an den Tag legten, auf dem Rückweg in Gestalt von Perser Teppichen und dergleichen nach der Koloniestraße in Berlin zurück.

Gegen Wurstel in der Veutzelstraße war inzwischen Anzeige wegen Veiseiteschaffung von Sachen erstattet worden. Zum nicht geringen Erstaunen stellte sich jedoch bei der Haussuchung heraus, daß nicht nur nicht beiseite geschafft, sondern das Warenlager des Wurstel sich in ganz ungewöhnlichem Umfange sogar vermehrt hatte.

Es traten nunmehr eine ganze Reihe von Gerichtsvollziehern an, welche das Warenlager pfändeten und versteigerten.

Wurstel hatte im ganzen nur 3000 Mark Schulden. Die Gerichtsvollzieher versteigerten so viel Waren, daß noch ein Überschuß blieb.

Wurstel war seine Schulden los, aber dafür traf ihn bald ein anderer Verlust.

Grohstadt.Dokumente Bd. 21.	5
        
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