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IV. Die schwarze Bande

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

64 Großstadt-Dokumente Vd. 21. Berliner Schwindel.

machte jedoch keinerlei Eintragungen, denn er könne, wie er scherzend sich äußerte, falsche Buchführung durchaus nicht leiden, deshalb mache er lieber gar keine.

Jeden Abend wurde im Hinterstübchen bei Nudecke in der Frankfurter Chaussee der gesamte Erlös zusammengelegt und unter die vier verteilt. Er schwankte zwischen ungefähr 150 bis 1000 Mark pro Mann, aber an keinem Tage betrug er weniger als 100 Mark für jeden.

Sie waren alle über die Einnahmen eines jeden genau informiert, soweit sie sich nicht betrogen, was selten vorkam, da das Geschäft zu gut ging.

Allerdings verwerteten sie den Erlös in verschiedener Weise.

Zum größten Erstaunen seines Freundes Hufnagel hatte Willi Gelbstock bei der Genossenschaftsbank seines Stadtviertels sich ein richtiges Privatkonto angelegt und zahlte täglich größere Beträge ein.

Als nach etwa weiteren 14 Tagen an einem Abend Gelbstock für seinen Teil 700 Mark ausgezahlt erhalten hatte, erschien er am folgenden Morgen nicht wieder. Statt seiner traf ein Brief bei Hufnagel ein, in welchem er schrieb, daß er seine Zeit für gekommen erachtet und seinem Freunde über Hamburg nach London und Amerika folgen wolle.

Die Folgen dieser seiner Reise machten sich bald bemerkbar, denn im Lause der nächsten 14 Tage gesellten sich zu den Waren, die aus allen Teilen Deutschlands einliefen, auch noch dreimal größere Sendungen echter Perser Teppiche, Waffen, Ölgemälde und dergleichen Einrichtungsgegenstände, die vorn Bahnhof, woselbst sie postlagernd für Gelbstock & Ko. angekommen waren, von Hufnagel abgeholt und nach der Koloniestraße gebracht wurden.
        
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