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IV. Die schwarze Bande

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

62 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel. 
Es wurde ihnen bemerkt, daß die „kassenerledigung" in 
der Beußelstraße erfolge. 
Als es demnächst in der Beußelstraße auch kein 
Geld gab, kam schon am folgenden Tage Lupus, um 
sich zu überzeugen, wie es mit der Bezahlung stände. 
Hufnagel erwiderte, die Chefs seien aus dem Schle- 
sischen Bahnhof, um Rotkohl zu verladen. 
Da lachte der mitanwesende Kutscher von Lupus 
und sagte: das sei ihm gestern in der Beußelstraße auch 
schon gesagt worden, da sei wohl viel Rotkohl zu ex¬ 
pedieren. 
Lupus und der Kutscher eilten darauf zum Schlesischen 
Bahnhof, fanden aber die Chefs nicht und kehrten in 
das Geschäft Landsbergerstraße zurück, woselbst ihnen 
Hufnagel sagte, es würde immer noch Rotkohl verladen, 
aber jetzt auf dem Stettiner Bahnhof. 
Trotzdem bekam er es, nachdem sie sich entfernt, 
mit der Angst, da man dem Rate des Luxi nicht gefolgt war. 
Als nach einer Stunde Lupus wiederkam, erhielt er 
100 Mark, die der Chef, der eben dagewesen, für Lupus 
zurückgelassen; es werde stets pünktlich gezahlt und ab¬ 
geliefert; es müsse aber auch Lupus auf das energischste 
verwarnt werden. Er habe, als er am Vormittag das 
Geschäft verlassen, einen anderen Herrn angesprochen 
und ihn gefragt, ob er auch Lieferant des Geschäftes sei. 
Dieser Angesprochene — es war Luxi — sei wirklich 
ein Lieferant gewesen und habe dadurch ohne Grund 
ein Mißtrauen gegen die Reellität der Firma gefaßt. 
Lupus möge sich in acht nehmen, sonst werde er wegen 
Kreditschädigung verklagt. 
Um angesichts der erheblichen Teilzahlung sein volles 
Vertrauen zu dokumentieren, veranlaßte Lupus, daß 
noch drei Mispel Kartoffeln abgeladen wurden, und ver¬ 
sprach Besserung.
        
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