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III. Kautionsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

40 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel. 
dienern gegeben. Dagegen war es wohl nur ein Zeichen 
des in ihm wohnenden sozialen Zuges gewesen, daß er 
nur diesen schlechtes! Gestellten überhaupt etwas gegeben 
hatte; denn dem Hauswirt, den Handwerksmeistern, dem 
Abzahlungshändler, dem Geldschrankfabrikanten, dem 
Buchdruckereibesitzer hatte er überhaupt keinen Pfennig 
gezahlt. 
Das Aktenstück hatte bis dahin bereits den statt¬ 
lichen Umfang von 40 Seiten erlangt, so daß der Beamte 
dasselbe zunächst der Übersichtlichkeit wegen zum Heften 
gab, als die Vernehmungen immer weiter sich erstreckten. 
Denn während jene noch verhandelten, erschienen auch 
die Spediteure, die Postboten und schließlich gar noch der 
städtische Lehrer Wipfel. Dieser war nämlich vom Gericht 
zum Vormund für ein uneheliches Kind bestellt worden. 
Es war nun nach dreivierteljährlichen Bemühungen Herrn 
Wipfel gelungen, am 15. Januar mit dem Vater des 
außerehelichen Kindes einen Vergleich zu schließen, wonach 
dieser 2000 Mark Abfindung zahlte. Herr Wipfel hatte 
dem Herrn Nocke das Geld zur nutzbringenden Anlegung 
in mündelsicheren Papieren gegeben, da das „Vermitt- 
lungs"-Geschäft „nebenan" war. 
Mit Sicherheit konnte Herr Wipfel nun erkennen, 
daß nach aller Wahrscheinlichkeit auch diese 2000 Mark 
Herr Nocke jedenfalls „nutzbringend" verwerten werde, 
wenn auch vielleicht nicht gerade zu dem vereinbarten 
Zweck. 
Nach Aufnahme aller Protokolle wurde das Akten¬ 
stück abgeschlossen und zum Polizeipräsidium gegeben. 
Die schüchterne Frage von August, ob er dort viel¬ 
leicht seine 50 Taler wieder bekomme, wurde überein¬ 
stimmend verneint. Es wurde sogar der dringende 
Verdacht geäußert, daß der Herr Nocke möglicherweise 
garnicht so heiße; selbst wenn aber wider Erwarten dies
        
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