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III. Kautionsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

III. Kautionsschwindel.

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komm, hier sind wir fertig. Bis um zwölf Uhr müssen wir raus sein, denn dann werden die Leute ungeduldig. Um elf Uhr fünfzig fährt Nocke nach Hamburg, wir müssen vorher ihm noch die Pfandbriefe bringen."

Ohne die Tür zu schließen und ohne noch im geringsten sich irgendwie um das Geschäft zu kümmern, ging er durch-die hintere Tür auf den Hos und von dieser durch den Hausflur nach der Straße. Mit hochgeklapptem Rockkragen, sich dicht an die Häuser haltend, lies er, gefolgt von dem Schreiber, bis zur nächsten Straßenecke, sprang dann in eine Straßenbahn, stieg aus dieser an der nächsten Haltestelle aus und kommandierte der vorüberfahrenden Droschke, in die beide stiegen: „Lehrter Bahnhof."

Dort, im Wartesaal zweiter Klasse, saß ein elegant gekleideter Herr, schwarzer Überzieher, watte- und seide-gesüttert, Krimmerpelzkragen, Pelzmütze, vor einer Tasse Kaffee, behaglich die Zigarre rauchend.

Als jene eintraten, atmete er erleichtert auf.

„Alles erledigt?"

„Alles, all right! Restbestand drei Sparkassenbücher und 1300 Mark in zwei Pfandbriefen einschließlich des heute noch Engagierten, letztere anbei, das übrige versilbere ich."

„Schön, du bist ein Tausendkerl, dich kann man doch brauchen. Getraust du dich hier zu bleiben?"

„Aber selbstverständlich, mich kennt doch fast keiner und braun ist ja doch nicht mehr chice Farbe für moderne Herrenüberzieher. Übrigens kennt man doch auch dich nur als Herrn Nocke, und uns beide kennt man nur von der Neuen Friedrichstraße, und in der Neuen Friedrichstraße kennt uns doch kein Mensch, sondern nur unsere Hausdiener. Als solche aber haben wir durchweg diesmal doch nur dreimal gesiebte Esel
        
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