Path:
III. Kautionsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

III. Aautionsschwindel.

35

Jahren mit schüchterner Stimme, in welchem August plötzlich jenen jungen Mann mit dem Landwehrpaß vom Mietskontor, Herrn Frommer, wiederzusehen glaubte, von welchem Alexander die unverständlichen Worte „wahrscheinlich Portokasse" gemurmelt hatte, war gar nur mit 25 Mark angestellt, er hatte nur 30 Mark Kaution gestellt, den Rest' der „Erbschaft", die er gemacht.

Ein Schildermaler, angetan in weißer, sarbenbunt schillernder Leinwand, welcher zu Anfang des Monats die schöne Inschrift an die Glasscheibe gemalt hatte, verlangte 35 Mark, denn auch die Kunst müsse leider nach Brot gehen.

Dagegen hatte der Papierlieferant, vorsorglicher als jener, eine ausgeschriebene quittierte Rechnung über 75 Mark für Kuverts und 85 Mark für gedruckte Briefbogen, nach dem Tausendpreis berechnet, mitgebracht, die er, wie er meinte, gern bezahlt sähe, da er eigentlich nur gegen Kasse liefere, und Herr Nocke wohl nur vergessen habe, den Boten seinerzeit bar zu bezahlen und ihn aus den „Ersten" verwiesen habe.

In die Gesellschaft der Wartenden trat der Postbote mit einem Stoß Briefen, die aus allen Stadtgegenden einliefen, in denen fein säuberlich der jungen Firma Offerte gemacht und Referenz erbeten wurde.

Noch während der Postbote seine'Gabe auf das Pult des'Hauses niederlegte, erschien auch der Paketbote, welcher drei Pakete unter Nachnahme und drei ohne solche präsentierte. Alter Gewohnheit entsprechend erklärte der Lehrling, erstere drei gingen wohl sicher zurück, aber letztere könne er vielleicht da lassen, das Porto von 1,20 Mark werde der Ehef nachher bezahlen, denn der habe die Schlüssel zum „Geldschrank", woraus der junge Herr „Frommer" meinte, ob denn keine „Portokasse" da sei.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.