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III. Kautionsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

34 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel.

Chef verneinte. Er wußte allerdings nicht genau, ob der Herr eigentlich der Lhes sei, denn er hatte von seinem Kollegen gehört, daß dieser über Mittag einen anderen Herrn aus demselben Geschäftsstuhl hätte sitzen sehen, der einen langen Kontrakt mit einem neuen Hausdiener abgeschlossen habe.

Der letzte Werktag des Monats war ein Sonnabend, so daß sich August und sein Kollege herzlich freuten, daß sie dadurch schon einen Tag früher ihr Gehalt bekämen.

Als sie abends in das Geschäft von ihren Gängen zurückkamen und die nicht bestellten Briese abliefern wollten, erfuhren sie jedoch, daß der Lhef oder die Chefs nicht anwesend seien. Sie mußten deshalb den Sonntag über sich ohne Geld behelfen und die Vermieterin bitten, mit der Miete bis zum Montag zu warten.

Als sie Montag früh gemeinsam das Geschäftslokal betraten, befanden sich außer ihnen noch eine große Anzahl von Personen in demselben, zunächst der Hausverwalter, welcher die Mietsquittung vorlegte und dem anwesenden Schreiber, welcher am Pulte saß, auseinandersetzte, daß er pünktlich auf Mietszahlung bestehen müsse, denn kontraktlich müsse doch das Geschäft vorn ersten dieses Monats ab Miete bezahlen, wenn es auch für den vorigen Monat Januar mit Rücksicht auf den Neu-einzug mietefrei gewohnt habe.

Die etwa zehn anwesenden Hausdiener hörten zu ihrem Erstaunen, daß ein jeder von ihnen dieselbe Tätig-Keit als der andere zu bewältigen gehabt habe, obwohl doch ihr Gehalt, das sie beanspruchten, sehr verschieden war. Der eine gab an, daß er mit 200 Mark monatlich engagiert sei, eine Summe, über deren Höhe den übrigen die Augen aufgingen. August hatte 60 Mark bekommen sollen und ein junger Mensch von siebzehn
        
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