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III. Kautionsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

32 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel. 
die Pferde seien augenblicklich noch nicht da, sondern 
würden noch angeschafft. Es würden tüchtige junge 
Ungarn sein, die mit einem großen Transport eines be¬ 
deutenden Pferdehändlers aber erst im März kämen, 
denn im Februar seien die Preise teurer als im März, 
weil im Februar die Remonten von der Regierung ge¬ 
kauft würden. Möglich sei allerdings, daß auch schon 
übermorgen Pferde kämen. 
Nichts schien unserem August einleuchtender als dies, 
und er erklärte, daß er auch zufrieden sei, einstweilen 
Hausdienergeschäfte zu erledigen. 
Herr Nocke sagte, dann könne er sofort seine Tätig¬ 
keit beginnen und zwar solle er zunächst hundert Briefe 
austragen. 
Als August erwiderte, er kenne die Gegenden noch 
nicht genau, er wisse nicht, ob er dies auch zur Zufrieden¬ 
heit besorgen könne, wurde Herr Nocke sehr unwirsch, 
da es eilig sei, und beförderte ihn mit dem Bemerken, 
Widerspruch gebe es nicht bei ihm, er möge zusehen, daß 
er fertig werde, aus dem Laden hinaus. 
Nocke hatte Eile, denn es nahte, daß Intelligenz- 
blatt in der Hand, bereits ein anderer Stellungsuchender, 
der gerade die Annonce gelesen hatte: 
„Ein großes Agenturgeschäft sucht noch einige 
Hausdiener zu sofortigem Antritt, dieselben müssen an¬ 
gemessene Kaution stellen können und gute Zeugnisse 
haben." 
August dagegen hatte Zeit und er gebrauchte sie 
auch, denn die hundert Briefe waren so geordnet, daß 
jede einzige Adresse etwa eine halbe Stunde von der 
anderen entfernt war, und für jemanden, der erst drei 
Tage in Berlin war, hätte wohl eine Arbeit von Wochen 
dazu gehört, alle diese Briese zu bestellen.
        
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