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III. Kautionsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

III. Kautionsschwindel. 
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Anzahlung von einem Möbelhändler entnommen war 
und er wunderte sich auch nicht, daß jedes Zimmer zu¬ 
gleich als Wohn- und Schlafzimmer eingerichtet war. 
Er hatte auch einen viel zu guten Schlaf, als daß er 
durch das nächtliche Treiben etwa gestört worden wäre, 
das sich in äußerster Lebhaftigkeit nachts entfaltete und 
bezüglich dessen sein freundlicher angeblicher Wirt am 
folgenden Tag' meinte, es sei seine Tante aus Bernau 
mit zwei Neffen gewesen, die nachts gekommen und 
gleich wieder abgereist wären, aber vielleicht bald wieder 
kämen. Den Tag über besah er sich aus Rat des Braunen, 
welcher ihm 5 Mark geliehen hatte, Berlin und am 
folgenden Tage kam pünktlich der Postbote mit 50 Talern 
3ur Kaution. Die gute Mutter aber hatte noch 10 Mark 
mehr geschickt, worüber August die Tränen nahe waren. 
Am selben Nachmittage begaben sich der Braune, 
der inzwischen dem August gesagt, daß nicht er, sondern 
sein Bruder eigentlich da wohne, in die Neue Friedrich- 
straße, woselbst ein hochelegantes neues Geschäftshaus 
fast gänzlich schon bezogen war, wenn auch einzelne 
Läden noch leer standen. 
Der zweite Laden rechts von der Tür enthielt die 
Aufschrift „Nocke & Ko., Generalagentur, Geschäftsver¬ 
lust und Vermittelung jeglicher Art." 
Hier war es, wo man nach des Braunen Angabe, 
durch die Zeitung einen Kutscher gegen Kaution suche. 
Als sie eintraten, schien Herr Nocke schon Bescheid 
zu wissen, daß August eine Stelle suche; auch die Höhe 
der Kaution, welche Herr Nocke forderte, Mief sich genau 
auf 50 Taler, welche Summe August geben konnte. Als 
August versicherte, er werde sich wirklich Mühe geben 
und die Pferde gut behandeln, meinte allerdings Herr 
Nocke, damit habe es noch Zeit; jener fei zwar als Kut¬ 
scher engagiert, aber das Geschäft sei erst im Aufblühen,
        
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