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III. Kautionsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

30 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel. 
August bat im stillen Berlin wieder um Verzeihung, 
an dessen Ehrlichkeit er schon so gezweifelt hatte, da er 
nun sah, daß es doch noch ehrliche und gute Menschen 
in Berlin gab. 
Beide kehrten zunächst, nachdem sie etwa hundert 
Schritt gegangen, in einer Eckdestille ein, woselbst an 
einem runden Tisch ein gewichtiger Mann, den die Leute 
mit „Herr Assessor" anredeten, saß. Diesem stellte der 
Braune unseren August vor; derselbe fertigte ihm einen 
Brief aus, worin August, de- und wehmütig seiner Mutter, 
erzählte, wie es ihm gegangen sei und um Nachsendung 
von 50 Talern bat; er werde sich auch mit keinem 
Schwindler mehr einlassen; solcher gäbe es nämlich viele, 
meinte der „Herr Assessor", ihn bedächtig über die 
schwarze Hornbrille ansehend. 
August hatte zunächst hiergegen Vorstellung erhoben, 
da er nur 5 Taler haben wollte, der Braune aber hatte 
ihm auseinandergesetzt, daß eine reelle Dauerstellung in 
Berlin heutzutage unter 50 Taler Kaution „nicht zu 
machen" sei. 
Damit die Mutter auch genau wüßte, daß es ihr 
Sohn sei, der schreibe, setzte August mit den besten Buch¬ 
staben, die er malen konnte, einen eigenhändigen Gruß 
und seinen Namen unter den Bries. 
Der Braune führte ihn nebenan in die dritte Etage, 
woselbst sich eine im Vorderhaus belegene, aus acht 
Zimmern bestehende, Wohnung befand, in der auch aus 
Tage und Wochen vermietet wurde. Die Zimmer waren 
so hübsch möbliert, wie es August noch nie gesehen hatte, 
— die Staatsstube des Herrn von Bernin natürlich aus¬ 
genommen; die war viel schöner, schon wegen der 
Glasservante, in welcher die Porzellanfigürchen immer 
geklirrt, wenn August durch die Stube gestampft. 
Er wußte nicht, daß alles auf Abzahlung ohne
        
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