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II. Vermietungsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

II. Verrnietungsschwindel. 
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laß gehabt, sich um ihn zu kümmern. Infolgedessen war 
es auch unbemerkt geblieben, daß der angebliche Wilhelm 
Nulpe um dreiviertel fünf Uhr, als eben die Bäckerjungen 
das Frühstück brachten und das Haus ausgeschlossen 
war, aus demselben schritt und vor dem Haus unseren 
guten alten Lehmann aus dem ersten Kapitel (Seite 7) 
traf, der inzwischen sich am Tage vorher genau nach dem 
Verbleib seines mit über 60 Talern noch beschwerten 
„Freundes" erkundigt und durch Vermittelung der ihm 
wohlbekannten Tochter der Frau Schulze den August in 
das neue Quartier verschleppt und dort durch seinen 
Komplizen Wilhelm Nulpe hatte bestehlen lassen. 
Als August zu dem kommerzienrat Pelson kam, 
wurde ihm hier durch den Portier eröffnet, daß die 
Kutscherstelle schon vor drei Wochen besetzt und der Auf¬ 
trag an das Vermietungskontor Pichterlein & Ko. bereits 
längst zurückgezogen sei. 
Ein eiskalter Schauer überlief nunmehr unseren 
August und krampste ihm das Herz zusammen; denn 
er stand hier im feinsten Westen von Berlin, inmitten 
der eleganten Straßen mit den hohen, vornehmen Häusern 
vor einem der schönsten derselben, dessen schwere eichene 
Tür mit dem gelben Türklopfer eben leise in das Schloß 
gefallen war. 
Seine Habe war bis auf 12 Pfennig, die er in der 
Tasche getragen hatte, erschöpft. Er hatte auch den 
Vormittag über noch nichts gegessen, weil er so er¬ 
schreckt über seinen Verlust gewesen, daß er gleich aus 
dem unheimlichen Hause weg in die neue Stelle ge¬ 
laufen war. 
Er fragte einen Vorübergehenden nach der Acker¬ 
straße und gelangte nach zweistündigem Kreuz- und 
Querwandern wieder vor das Haus, das er als Nr. 260 
entdeckt hatte.
        
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