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II. Vermietungsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

II. Vermietungsschwindel.	19

unternahm die unternehmende Lina einen Ausflug in irgend einen Provinzort, woselbst sie Stellung angenommen hatte. Spätestens jeden zweiten Tag brach sie dann jedesmal Zank mit irgendeinem vom Zaune, wurde ausfallend, bekam Anfälle, wie die beste Theaterdame, und wurde, damit man nur wieder von ihr loskomme, unter Auszahlung des Lohnes für drei Tage vom Gute gejagt, um am andern Tage von neuem durch das „Metskontor der Frau W. Schulze Witwe" eine Stellung anzunehmen.

Der Vergütungssatz für diese Perle schwankte je nach der Jahreszeit und den Anfragenden zwischen 30 bis 70 Mark, und Herr Alexander erzählte, wenn er guter Laune war, unten in der Wirtsstube am letzten Tisch in der Ecke neben dem Ofen, daß er einmal es fertig ge-gebracht hätte, 98 Mark Vergütung für die Lina zweimal hintereinander in einer Woche herauszuschlagen.

Während August noch so wartete, trat plötzlich ein Schutzmann ein. Er entfaltete aus seiner blauen Mappe ein dünnes Aktenstück und begehrte die Inhaberin der Firma W. Schulze Witwe zu sprechen.

Alexander erhob sich gemächlich und sagte: „Kennen wir schon, zeigen Sie mal her. Wer hat denn wieder angezeigt?"

Der Schutzmann erwiderte, das habe er nicht zu zeigen, sondern er habe nur zu ermitteln, wer die verantwortlichen Inhaber der Firma seien, bzw. aufzufordern, dies ihm mitzuteilen.

Sekretär Alexander erwiderte: „Selbstverständlich Frau W. Schulze Witwe, er selbst sei nur Sekretär." Er wollte dann noch gern wissen, wer wieder eine Anzeige erstattet hätte, und als dies zunächst nicht gesagt werden sollte, erwiderte er, da er in allen derartigen Sachen anscheinend äußerst gewitzigt war, er wolle die
        
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