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II. Vermietungsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

II. Vermietungsschwindel.

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schnelle Fahren verboten hatte, noch 3 Mark Ordnungsstrafe wegen zu schnellen Fahrens für ihn zu erlegen, denn er hat natürlich nichts und muß sonst sitzen.

Unser Brauner ist jetzt wie besessen; sobald er eingespannt wird, fängt er an durchzugehen. Unsere Wirtschafterin liegt im Vett, denn sie ist vom Wagen heruntergefallen, und glaubt, daß ihr Ende nahe, obwohl sie noch ziemlich sanft fiel.

Als er später auf dem Amte verhört wurde, gab er an, daß er überhaupt noch nie im Leben ein Pferd gefahren habe. Und solchen Mann schicken Sie mir, „garantiert reell, als Knecht aus Ostpreußen oder Schlesien." Er selbst aber gibt an, daß er in Görlitz geboren sei und noch nie auf dem Lande gewesen ist.

Immerhin würde ich ja diesen jungen Menschen behalten, da er ganz anstellig ist und sich vielleicht mit der Zeit macht.

Aber was soll ich zu dem Melkmädchen sagen, das Sie mir geschickt haben?

Sie war ganz krank, als sie ankam, und legte sich zunächst zu Bett. Als sie sich dann erholt hatte und melken sollte, hat sich niemand um sie bekümmert. Die Kuh aber hat eine schwere Entzündung davongetragen, da sie mit einem Ring an der Hand zu melken versuchte; als der Kuh dies schließlich über wurde, hat sie der Anna einen Stoß versetzt, daß diese mit dem Kübel und der ganzen Milch in einen Misthaufen gefallen ist.

Als meine Frau ihr ernstlich in das Gewissen redete, hat sie schließlich zugegeben, sie hätte früher in Berlin in einer Nähstube gearbeitet; da sie sich aber mit ihrem Bräutigam eingelassen hätte, habe ihr Vater sie aus dem Hause gejagt. Sie sei dann Kellnerin geworden, solange als es ging, und zum 1. Februar sei
        
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