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Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

SYLVA sylvarum

NATURPHILOSOPHIE von AUGUST STRINDBERG

„Man weiß nicht, was man an diesen Aufsätzen mehr bewundern soll, die liebevolle Versenkung in kleine Naturbetrachtungen und die poetisch feine Einzelauffassung, oder den mystisch-großartigen Zusammenhang, in den Strindberg mit täuschender Kunst vieles und weit voneinander liegendes bringen möchte.“ So schrieben die Grenzboten, als ein kleiner Auszug aus Sylva Sylvarum 1897 in Strindbergs Inferno erschien; aber erst jetzt, in dieser deutschen Ausgabe, die die französische wie schwedische hinter sich läßt, da auch neuere und neueste Essays aufgenommen sind, kann dieses Werk nach Gebühr gewürdigt werden. Hier hat Strindberg über die große Unordnung des Universums nachgedacht und schließlich einen unendlichen Zusammenhang gefunden. Sein Auge sieht Nerven bei den Pflanzen und sein Ohr hört das Seufzen der Steine. Er findet Beziehungen zwischen der Sonne und der Sonnenblume, entdeckt Geheimnisse über Geheimnisse in dem kleinen Alpenveilchen. Er sieht ein Symbol der Unsterblichkeit in der Larve des Schmetterlings und schreibt das Märchen vorn Totenkopfschmetterling nieder usw. usw. Strindberg ist Transformist wie Darwin und Monist wie Haeckel, aber er geht über deren Ziel hinaus und schließt folgerichtig auf die Seele der Pflanze und die Unsterblichkeit des Menschen. Synthese zwischen Naturwissenschaft und Religion, die hat Strindberg hier versucht, und manchmal ist sie ihm in ganz überraschender Weise gelungen. Als er den ersten Teil 1896 in Paris vollendete, „hat er zum erstenmal in seinem Leben die Überzeugung, etwas Großes, Neues und Schönes gesagt zu haben“ — dabei hatte er den Vater, Am offnen Meer und andre allgemein anerkannte Meisterwerke längst geschrieben.

Für uns Deutsche besonders interessant ist es, daß Strindberg schließlich auf Goethe zurückkommt: er lenkt einen Scheinwerfer auf Goethes Chemie, die bisher trotz Goethejahrbuch und hundert-bändiger Sophienausgabe völlig im Dunkel lag; bei Goethe findet Strindberg eine Bestätigung seines Glaubens an die Verwandlung der toten Materie in lebenden Organismus, des Kiesels in Eiweiß; andrerseits macht Strindberg unsern Goethe noch größer, als er schon ist, macht ihn zum Ahnherrn auch der modernen Chemie. Diese Entdeckung von Goethes Chemie durch Strindberg wird die größte Sensation erregen! Man vergesse darüber aber nicht die andern Entdeckungen des tiefen Buches.

Strindbergs Naturphilosophie .Sylva Sylvarum* ist im Verlag von Hermann Seemann Nachfolger zu Berlin SW. 11 erschienen und in allen Buchhandlungen für zwei Mark broschiert und für drei Mark gebunden zu haben. *------------------------------------------------------------------------ ——^
        
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