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Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

Erzählung von

flugusf Sfrinöberg

Wenn Strindberg einen Stoff anpackt, so hält er ihn so lange fest, bis er alles hergiebt, was irgend daraus zu holen ist. Was man sich überhaupt unter dem Titel »Eine Hexe. vorstellen kann, findet man in dieser Novelle; das heisst, soweit es psychologisch wahr und im täglichen Leben möglich ist. Jeder kleinere Dichter hätte aus dieser Novelle einen grossen Roman gemacht und einen starken Erfolg damit erzielt; indem Strindberg in lapidarer Kürze schreibt und allen Aberglauben und Humbug fortlässt, jeden falschen Ton vermeidet, schafft er die klassische Novelle in ihrer konzentrierten Form, die allerdings langsam gelesen sein will, Seite für Seite, Wort für Wort. Aber die Lektüre lohnt auch, denn es hat kein Dichter der Weltliteratur das Motiv »Hexe« menschlicher behandelt. Menschlicher, denn man glaube beileibe nicht, der Stoff läge einem fern, weil der Hoxenaberglaube längst abgetan ist; im Gegenteil, die weibliche Hauptgestalt ist durchaus modern: jeder Leser hat sie schon als Dienstmädchen im Hause gehabt oder im Laden als Verkäuferin gesprochen oder auf der Strasse als Dirne gesehen; Strindberg hat sie nur deshalb ins Zeitalter der Hexenverfolgungen hineingestellt, um die letzten Konsequenzen des Motivs ziehen zu können. Es ist das Mädchen aus dem Volke, das durch unlautere Mittel in die Höhe zu kommen sucht und eben an seiner Unlauterkeit zu Grunde geht. Mit einer Seelenkunde, die ganz erstaunlich ist, schildert Strindberg, wie Thekla Degener von Stufe zu Stufe in die Höhe klimmt, bis sie schliesslich auf der letzten den Fehltritt tut, der sie in die Tiefe stürzt. Und immer, wenn sie eine Stufe zu erreichen im Begriffe ist, wird die Schilderung dramatisch packend und hält uns im Bann, bis die Spannung gelöst ist. Diese Stufen sind; wie sie die Eltern beherrschen lernt, wie sie sich den Ehemann sucht, wie sie die vornehme Freundin gewinnt, wie sie deren Verlobten vorführt, wie sie in der badenden Freundin die Hexe sieht, wie sie auf dem Richtplatz thront und wie sie in der Folterkammer stirbt. Und vielleicht das grösste Meisterstück, das der grosse Dichter in dieser Charakteristik geleistet hat, ist, dass diese Hexe einen nicht etwa abstösst, sondern im letzten Grunde durchaus sympathisch wirkt; so menschlich eben ist diese Gestalt, so menschlich berührt sie uns! Sie ist unsres gleichen, Fleisch von unsrem Fleisch und Blut von unsrem Blut.

Strindbergs Erzählung: »Eine Hexe« ist zum Preise von nur Mk. 1.— für das broschierte, Mk. 2.— für das gebundene Exemplar durch jede Buchhandlung zu beziehen und in allen besseren Geschäften stets vorrätig. Wo der Bezug auf Sclnvierigkeiten stösst, wende man sich direkt an den Verlag von Hermann Seemann Nachfolger, Q.tn. b. H., Berlin STF. 11, Tempelhofer Ufer 29.
        
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