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VII. Bauschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

118 Großstadt-Dokumente Bd. 21. Berliner Schwindel.

Balkon begraben, seine Frau mußte tüchtig in der Wirtschaft wieder mitarbeiten, er selbst wurde wieder Maurerpolier; die einzige Erinnerung, die ihm geblieben, war ein Kasten voller Urkunden, Zahlungsbefehle, Wechseln, Schuldtiteln und dergleichen, die er während der Monate des Vauunternehmertums sich gesammelt hatte.

Herrn Schmidt aber war inzwischen der ersehnte Sprößling geboren, er hatte die gesicherte Möglichkeit, eine „neue" Vaufirma unter dem Namen eines neuen Weltbürgers zu gründen, deren „Generalbevollmächtigter" er wieder werden konnte.

Mieze hatte in all diesen Fährnissen ihrer Herrschaft getreu zur Seite gestanden. Sie war mit Frau Weißling befreundet geworden und allen wurde bald nachher zu Weihnachten noch ein Tag der Freude zuteil, denn der brave Vierverleger Spindel, dessen übermäßig breite Gestalt einen derartigen Ausgang lange schon hatte voraussehen lassen, war an entern, plötzlichen Schlaganfalle gestorben. Da er kinderlos war, übernahm im Einverständnis mit seiner Witwe, ein Neffe, der bisher das Flaschenlager verwaltet hatte, zusammen mit dem alten dürren Prokuristen Dietrichsen das Vier- und Selter-wasser-Verkaufsgeschäst, während August, der sich treu bewährt hatte, zum „Lagerverwalter" avancierte.

Hierdurch war es ihm ermöglicht, sich am Weihnachtsheiligabend mit Mieze zu verloben, welche Verlobung bei Herrn Weißling, der nun wieder einfacher Maurerpolier war, gefeiert wurde.

Bald darauf bezogen sie ein eigenes Heim, das auf das freundlichste ausgestattet war. Auf die schriftliche Anfrage eines Bruders der Mieze, ob sie nicht zur Einrichtung ihr Erbteil nach Berlin geschickt haben möchte, antwortete jedoch Mieze:
        
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