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VII. Bauschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

VII. Bauschwindel.

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einer folgenden Rate dem Herrn Weißling nicht von den Fersen zu gehen, er ging mit in die Bank, und da Weißling das Betrügen noch nicht verstand, so benutzte er nicht einmal den anderen Ausgang, welchen die Bank — es war ein Eckhaus — nach einer anderen Seitenstraße besaß, sondern zahlte tatsächlich dem Leitungsmann seine ganze Forderung mit 2000 Mark aus, obwohl derselbe noch nicht einmal voll geliefert hatte. Dafür mußte er aber auch von den beiden anderen die heftigsten Vorwürfe hören, jener würde nun nicht weiter liefern, es stände schlecht mit ihm, die 2000 Mark seien auf Nimmerwiedersehen davon.

Zufällig war diese Ansicht die richtige.

Herr Weißling glaubte nunmehr selbst davon überzeugt zu sein, daß es immerhin sicherer sei, wenn er möglichst keinen Menschen bezahle, als wenn er, seinen früheren Gewohnheiten entsprechend, Schulden als Dinge betrachte, die durch Zahlung zu tilgen seien.

Von der nächsten Vaugeldrate erhielt deshalb keiner der Handwerker oder Lieferanten etwas; im Gegenteil, es wurden alle noch auf den „Fabrikanten für Gas- und Wasserleitungsrohre" gehetzt, der das Geld weg habe. Einer, dem ein Teil jener Baugeldrate gebiert war, begann sogar einen Prozeß gegen den glücklichen Empfänger auf Rückerstattung eines anteiligen Betrages, welcher Prozeß nach ungefähr drei Jahren sich nach einigen Aufhebungen von Urteilen der unteren Instanzen glücklich in der fünften Instanz derartig entwickelt hatte, daß der Ausgang im höchsten Maße zweifelhaft war.

Inzwischen folgten, da die Lieferanten aufmerksam geworden waren, nunmehr Arrestschläge, Pfändungen, Zwangseintragungen über fällige Beträge und auch, trotz der langfristigen Verträge, zum Teil auch über nicht fällige Quoten.

Großstadt-Dokumente 83b. 21.

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