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I. Ringnepper (Goldarbeiter-, Pfandleih-Falle)

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

I. Mngnepper.

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sei schon geschlossen, er sei unglück'ich, was er nur machen solle. Daraus sagte Lehmann, ob er denn sicher sei, daß der Pfandleiher aus den Ring ihm 16,80 Mark gebe, woraus Knutschke, wie er sich nannte, erwiderte, daran sei kein Zweifel, denn der Ring sei viel mehr wert.

Nachdem er ihn gezeigt, bemerkte August, wie über die Gesichtszüge des Lehmann in der Tat ein großes Erstaunen ob der ungewöhnlichen Pracht des Ringes ging. Der Ring hatte zwar eine ziemlich glatte, gleichmäßige Goldsassung, aber es befanden sich in der Mitte in erhöhter Lage drei Steine, nämlich zwei rote einen großen blauen umschließend.

Lehmann erklärte, daß er hiervon allerdings etwas verstehe, denn er sei lange Jahre Ausrufer in einem AuKtionsgeschäft gewesen, dieser Ring würde jedem Psand-leiher mindestens 50 Mark auf der Auktion einbringen, da sein Wert unzweifelhaft 75 Mark sei.

Er erbot sich, dem Knutschke seinerseits das gewünschte Darlehn zu geben, er sei jedoch augenblicklich nicht dazu imstande, denn seine Frau sei verreist und er habe alles überflüssige Geld zur Sparkasse gebracht; er könne deshalb heute, da die Kasse um ein Uhr mittags schließe, nichts mehr holen; jener könne es ihm doch nicht übelnehmen, daß er sich kein überflüssiges Geld im Hause halte, da doch in Berlin soviel Schwindler und Einbrecher existierten, daß man nie vor Verlust sicher sei.

Während dieses Gespräches überlegte August, daß er selbst die Ersparnisse seiner letzten drei Jahre bei sich hatte, soweit sie nicht für seine Equipierung daraus gegangen waren. Er hatte nämlich bei dem Gutsbesitzer von Bernin monatlich neun Mark Gehalt gehabt, also in drei Jahren 324 Mark außer Trinkgeld eingenommen, die seine Mutter ihm derart gut verwahrt hatte, daß auch nach dem Ankauf seiner Kiste mit Inhalt und
        
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