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VII. Bauschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

VII. Bauschwindel. 
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weil die ursprünglichen Terrainkausgeld- und Restkaus- 
geldhypotheken das Vielfache des Wertes bereits aus¬ 
machten und, ftüher eingetragen als die späteren Hand¬ 
werkerhypotheken, jeden etwaigen Mehrwert absorbierten, 
der durch die Bebauung der Grundstücke entstehen würde. 
Sie erklärten aber auch weiter dem Herrn Weißling, 
daß auf solch kleinliche Voraussichten man sich nicht 
einlassen dürfe. Es komme nur darauf an, recht lang¬ 
fristige Verträge mit den Handwerkern abzuschließen, 
damit diese erst möglichst spät „kommen könnten." In¬ 
zwischen aber zahle doch die Bank das Geld pünktlich 
aus und wenn es den Handwerkern und Lieferanten 
nicht gleich abgegeben zu werden brauche, so könne Herr 
Weißling es inzwischen „nutzbringend" zur weiteren 
„Finanziierung" verwenden. 
Herr Weißling war so stolz aus die nunmehr den 
Gegenstand seiner Unterhaltung bildenden Fremdworte 
„Terrain", „Parzelle", Finanziierung", daß er höchst un¬ 
gehalten wurde, als die Tante und gar die Frau einmal 
des Näheren über den Begriff dieser Dinge sich erkundigen 
wollten; er meinte, Frauensleute verstünden davon nichts. 
Herr Schmidt war unermüdlich tätig. Er kannte 
einen jungen, strebsamen DachdeKermeister, den er in sein 
Kontor beschied und in gönnerhafter Weise eröffnete, daß 
er ihm bei einigen Bauten seiner ftüher im Verein aus¬ 
gesprochenen Bitte gemäß, jetzt Arbeit zuweisen könne. 
Er habe die Oberleitung übernommen und, wie er mit 
bezeichnender Bewegung sagte, „eine Hand wasche die 
andere." 
Herr Arnold, so hieß der strebsame Dachdeckermeister, 
beeilte sich, ihm zu versichern, daß er fünf Prozent der 
Rechnungssumme ihm als Provision geben würde, wo¬ 
raus der Vertrag dahin geschlossen wurde, daß dem Herrn 
Arnold die Dachdeckerarbeiten übertragen wurden, die
        
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