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VI. Kreditschwindel B. Wechselreiterei. - Einbruchsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

VI. Kreditschwindel.

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B. Wechselreiterei. — Einbruchsschrvindel.

Als alles dies nichts genutzt hatte und er einsah, daß er auf eigene Faust aus seinen Geldverlegenheiten sich nicht befreien könne, wandte er sich an Geldleute, die ihm als solche empfohlen waren. Hierdurch kam er in Berührung mit Wucherern. Er mutzte sich nachmittags in den Lafchäusern und spät abends in den Weinlokalen herumdrücken, um diesem und jenem vorgestellt zu werden, der angeblich ihm pekuniär wieder aus die Beine helfen könne. Er wurde dadurch zugleich leichtsinnig und seine Frau konnte sich jeden Abend die Augen ausweinen, wenn Herr Schaumer immer später nach Hause kam, bis es schließlich ganz früh wurde, als er zu erscheinen pflegte.

Seine Gesinnung war durch die Not immer bedenklicher geworden.

Da wurde er eines Tages nach dem Alexanderplatz in ein modernes Lokal von einem Wucherer verschleppt, der ihm dort Geld durch Wechselreiterei besorgen wollte. Derselbe stellte ihm einen Herrn Stiebelitz vor. Dieser erhob sich sofort und alle drei begaben sich in ein Weinlokal, in dem es ziemlich einsam war. Herr Stiebelitz setzte ihm zunächst mit der größten Ungeniertheit auseinander, was er für Geschäfte mache. Er habe ein ganzes Portefeuille mit Wechseln bei der Hand, die von Akzeptanten aus der ganzen Welt unterschrieben seien; sie lauteten dem Betrage nach entweder aus ganz ungleiche Summen, wie 2381,25 Mark, so daß niemand daran zweifeln konnte, daß es Warenwechsel seien, oder sie seien der Summe nach überhaupt nicht ausgefüllt. Er erklärte dem Herrn Schaumer, daß alle diese Akzeptanten zwar sehr brave, wohlhabende Leute seien, „augenblicklich" aber in Geldverlegenheit sich befänden. Diejenigen, bei denen
        
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