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VI. Kreditschwindel A. Annoncen- und Zeitungsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

98 Großstadt-Dokumente Vd. 21. Berliner Schwindel.

richt knüpfen sich dann einige Besprechungen, die entweder ungewöhnlich neutral, oder ungewöhnlich gehässig, oder ungewöhnlich lobend den besprochenen Gegenstand behandeln.

Der Unterschied der Behandlung soll sich aus dem Annoncenteil aufklären lassen. Das gleichzeitige Erscheinen des Artikels und der Annonce läßt den Barometer auf „neutral" stehen, damit niemand etwas merke.

Fehlt die Annonce irrt Annoncenteil, so deutet dies entweder auf sehr gutes oder sehr böses Wetter, denn eine Annonce, welche nicht gedruckt wird, bringt oft ebensoviel Geld ein oder mehr als eine, die erscheint.

Zuweilen auch erscheint die Annonce, indem sie in Vorahnung kommender Bezahlung irgendwo abgedruckt wird; bald nachher wird dann Bezahlung geheischt, indem mehr oder weniger deutlich der große Zweck der Blätter angekündigt wird.

Auch diese Blättchen sollen sich dadurch auszeichnen, daß sie häufig unter mehrfachen Kopftiteln erscheinen; häufig auch soll der Herausgeber oder Verleger nach außen in Bescheidenheit nur als Annoncenvertreter der Kinder seiner Muse auftreten. Keineswegs sollen hierzu etwa nur Institute zusteuern, die irgendetwas zu fürchten haben, im Gegenteil, auch wer nichts zu fürchten hat, denkt oft, wenn auch ganz unbegründeter Weise, daß jede Besprechung oder Berührung mit solchen Elementen zu vermeiden besser sei und opfert, ohne viel zu fragen, „wes Name und Art das Annoncenorgan" ist, den Obulus auf dem Altar der Zeitung, nur um eben unbelästigt zu bleiben.

Herr Schaumer hörte dies alles erst später, nachdem er nach weiteren 14 Tagen aus eigener Erfahrung sich davon überzeugt hatte, welchem Teil des Industrierittertums diese Art von Presse einzurubrizieren ist.
        
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