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VI. Kreditschwindel A. Annoncen- und Zeitungsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

VI. Kredttschwindel.

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geben. Der größeren Sicherheit wegen schlug ihm ferner Herr Mappel vor, dieselbe gleich in sechs derartige Blätter, deren „Vertretung" er sämtlich übernommen habe, zu besorgen, Velagsexemplare würden zugehen.

Da dies nicht geschah, erkundigte sich Herr Schaumer nach Ablauf einer Woche nach denselben. Herr Wappel legte ihm die Blätter prompt vor und es fiel Herrn Schaumer nicht weiter auf, daß der Text bei allen durchweg derselbe und nur der Kopsdruck verschieden war.

Er wußte nicht, daß derartige Blätter keinen anderen Zweck haben mochten, als die Annoncengelder von den Inserenten zu erzielen, und daß sie nur in einer Auflage gedruckt würden, welche nötig, um die erforderlichen Belagsexemplare zur Verfügung zu haben.

Er wußte auch nicht, daß solcher Annoncenschwindel nicht nur seine Polypenarme ausstreckt in die Kreise jener Armen, die bereits alles verloren und ihre letzten Groschen hingeben, um Rettung durch Beschaffung eines Darlehns zu suchen, sondern daß auch in opulenteren Kreisen der Annoncenfischer seine Netze mit Erfolg in der Großstadt werfen mag.

Da gäbe es Blätter, hörte er später, welche alle nur denkbaren Finanztitel führen und deren Spalten zunächst Artikel enthalten, die als ältere Ladenhüter mit der Schere aus irgendwelchen Büchern unter Veränderung der Namen und Modernisierung der Ereignisse zusammengestellt sind. An diesen Leitartikel schließt sich der Bericht über die Börsenwoche, der unter sorgfältigster Vermeidung irgendeiner positiven Ansicht sich zu drei Vierteln dahin ergeht, daß der vorige Börsenbericht ungewöhnlich richtig für die letzte Woche prophezeit habe, während im letzten Viertel dann von der Zukunft in Wortwendungen gesprochen wird, gegen die der Orakelspruch zu Delphi als eine höchst klare Sentenz erscheinen würde. An diesen Wochenbe-

Drotzstadt-Dokumente Bd. 21.	7
        
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