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VI. Kreditschwindel A. Annoncen- und Zeitungsschwindel

Full text: Berliner Schwindel / Werthauer, Johannes

VI. Kreditschwindel.

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A. Annoncen- und Zeitungsschwindel.

Herr Schaumer versuchte zunächst, durch Vermittelung von Agenten ein Darlehn aufzunehmen. Aus mehrere Inserate gelesener Tagesblätter, in welchen Geld gegen Sicherheit angeboten war, meldete er sich und erhielt einen Stoß Vriese, in welchen eine Reihe von Agenten ihm ganz sicher Geld zu verschaffen versprachen, wenn nur seine Verhältnisse es einigermaßen gestatteten. Er begab sich aus ein Schreiben, welches besonders vertrauenswürdig ihm erschien, zunächst zu dem Herrn Direktor Wappel, welcher ihm mitgeteilt hatte, daß er streng reell gegen geringe Provision die Vermittelung besorge. Derselbe wohnte in der Ohnhauser Allee Nr. 300. Als Herr Schaumer eintrat, erhob sich ein dicker, großer Mensch in den fünfziger Jahren, der ihn einlud, Platz zu nehmen, und sich bereit erklärte, zu versuchen, für ihn ein Darlehn zu besorgen; er selbst habe zwar kein Geld, aber reiche Leute als Hintermänner an der Hand. Er müsse jedoch zunächst eine Auskunft über ihn einholen. Herr Schaumer erklärte zwar, daß er selbst solche von seinem Auskunftsbureau besorgen könne, jener erwiderte aber, das ginge nicht, der Sicherheit wegen müsse er selbst bei den ihm vertrauenswürdig erscheinenden Bureaus sich erkundigen. Für diese Erkundigung habe Herr Schaumer, mit Rücksicht daraus, daß er 3000 Mark Darlehn wünsche, eine Erkundigungsgebühr von 30 Mark, ferner eine Einschreibegebühr von 20 Mark zu zahlen.

Als drei Tage später Herr Schaumer nachfragte, wurde ihm mitgeteilt, daß die Auskunft ungünstig ausgefallen sei, dagegen werde er bestimmt das gewünschte Darlehn erhalten, wenn er in diesbezüglichen „angesehenen" Blättern eine Annonce erlasse. Es gäbe nämlich in Berlin eine Reihe von Zeitungen, die recht
        
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