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XIV. Das Wohnungselend

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

XIV. Das Wohnungselend.

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gestellten kleinsten Zimmer gilt, das sind 12,18 Quadratmeter, so wohnten 8,64 Prozent der Männer und 8,76 Prozent der Frauen in Räumen, die diesem Mindestmaß an Bodenfläche nicht entsprechen. Nimmt man aber als Maßstab die Mindestforderung an, die Hygieniker für die Bodenfläche eines Zimmers aufstellen, (16—20 Quadratmeter für Wohnräume, 20—25 Quadratmeter für Schlafräume), so entsprechen die Wohnräume von 60,76 Prozent der Männer und 60,87 Prozent der Frauen nicht diesen Anforderungen. Bezüglich des Höhenmaßes schreibt die Berliner Bauordnung als Mindestforderung 2,80 Meter vor, doch entsprechen bei den Männerwohnungen 28,74 Prozent, und bei den Frauen-wohnungen 24,79 Prozent nicht diesen Maßen. Am weitesten bleiben hinter der vorgeschriebenen Höhe die Keller- und Dachwohnungen zurück. Hier wurden 47 Patienten sogar in Wohnungen gesunden, die unter 2 Meter Höhe hatten. — Bei einem angenommenen Maßstab für den Luftraum von 20 Kubikmeter pro Person, wohnen 51,14 Prozent der Männer und 46,27 Prozent der Frauen in ungenügenden Räumen, und zwar sind hier die Wohnungen in den Hinterhäusern ungünstiger, als die in den Vorderhäusern. Die Wohnungsdichtigkeit hat sich bei den in der Familie lebenden Patienten im Gegensatz zu früheren Jahren dagegen verbessert. Eine Zunahme der Verschlechterung hinsichtlich der Wohnungsdichtigkeit ist jedoch bei dem aus sittlichen und hygienischen Gründen sehr bedenklichen Schlafgängerwesen zu spüren. So lebten z. B. von den lungenkranken männlichen Patienten 77,12 Prozent in Familien und 22,88 Prozent in Schlafstellen; von den lungenkranken Frauen 82,24 Prozent in Familien, 17,76 Prozent in Schlafstellen. Für die Volksgesundheit besonders gefährlich erscheint es, daß 88,28 Prozent der in Familien und 56,86 Prozent der in Schlafstellen lebenden Patienten, die an irgendwelchen ansteckenden Krankheiten litten, keinen Schlasraum für sich, ja zum Teil nicht mal ein eigenes Bett zur Verfügung hatten. Diese Bettenfrage ist überhaupt das traurigste und gefährlichste Kapitel des Wohnungswesens: Es wurden von den Kontrolleuren 677 oder 10,01 Prozent Männer und 740 oder 12,67 Prozent Frauen angetroffen, welche ihr Bett mit anderen Personen teilen mußten. Eine große Gefahr sowohl für die Reinlichkeit wie auch für die Gesundheit ist auch der Mangel an Licht. Im Jahre 1906 bezeichneten die Krankenkontrolleure 418 Räume in Vorder- und 819 in Hinterhäusern mit dem
        
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