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XI. Vom Fischerdorf zur Kaiserstadt

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

68 Großstadt-Dokumente Bd. 44. Großstadt-Sozialismus.

Wickelung mit folgenden Worten aus dem 11. Bundestage der Bodenresormer aus, wenn er sagt:

„Nun kamen unsere Krieger zurück. Und was sahen sie? Gerade in den Jahren 1871-73 schnellten die Mietpreise und schnellten die Preise der Baustellen, der bebauten Grundstücke und Häuser gar kolossal empor. Die statistischen Nachweise ergeben eine Steigerung von 10, 15, 20 und mehr Prozent von Jahr zu Iahr. Worauf ist dieses Emporschnellen zurückzuführen? Auf irgend welche Leistungen der Grundstücks- und Gebäudeeigentümer? Was hatten die getan? Sie hatten hier ruhig gesessen. Der Regel nach werden sie nicht im Kriege mitgedient haben. Sie waren im Handumdrehen durch die weltgeschichtlichen Ereignisse, die das deutsche Heer auf französischem Boden durchgeführt hatte, ganz bedeutend reicher geworden. Als nun die zurückkommenden Soldaten und Landwehrmänner hier einzogen, hieß es, wenn sie eine Wohnung mieten wollten: jetzt müßt ihr aber 20—30 Prozent mehr zahlen; und wenn sie Familie hatten, so wurde ihnen gesagt: ihr dürft aber keine zu große Familie haben; wir wollen keine Mieter mit 6, 6 Kindern! Man vergegenwärtige sich: da ist der Soldat, der aus dem Felde zurückgekehrt ist und die schwere Miete zahlen mutz, und da ist der Hausbesitzer, der weit ab vom Schutz war, und der nur als Grundbesitzer einfach soviel Miete einnimmt und die kapitalisierte Miete in höheren Verkaufspreisen des Grundstücks ausnutzt. Ich sollte meinen, die einfache Tatsache, daß einem zurückkehrenden Krieger die Miete gesteigert oder, weil er mit einer großen Familie gesegnet ist, die Wohnung gekündigt wird, hat zehnmal mehr aufhetzend gewirkt als irgend etwas, was die Sozial-demokratie theoretisch und praktisch vertreten hat."

Wie anders wäre die Entwickelung von Berlin geworden, hätte man das berühmte Edikt des großen Kurfürsten in Kraft gelassen, das derselbe erließ, als er hörte, daß trotz Steuerbefreiung sich seine Hauptstadt nicht hob, und daß als Grund hierfür die teuren Preise für Baustellen verantwortlich zu machen seien. Damals erging folgender Hohenzollernukas:

„Weil Wir vernehmen, daß viele darüber abgeschrecket

werden, weil ihnen die wüsten Stellen nicht umbsonst gegeben,
        
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