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XI. Vom Fischerdorf zur Kaiserstadt

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

XI. Dom Fischerdorf zur Kaiserstadt.

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erhoben zu werden; im Gegenteil, die Gemeinde Berlin hätte für Kulturaufgaben tüte Schulen, Spielplätze, Krankenhäuser, gute Bezahlung ihrer Beamten und Arbeiter Geld im Äberfluß, während man jetzt fortwährend nach neuen Steuern sucht, und die schwer arbeitende Bevölkerung immer enger in das Steuerjoch hineinspannt. Der Wert des Grund und Bodens von Berlin ist entstanden durch die Zusammenarbeit aller Bürger, und deshalb müßte das Einkommen aus demselben nicht in einige wenige Taschen, sondern in den Stadtsäckel fließen. Der reine Wert des Bodens in Berlin beträgt gewiß 6 Milliarden; das machte zu 4 Prozent einen Iahresertrag von 240 Millionen Mark. Der Haushaltsetat von Berlin sieht für 1907 an Ausgaben 147,502,734 Mark vor, d. h. der bloße Grund und Boden würde noch über 90 Millionen Mark zur freien Verfi'lgung der Stadt stellen; es gibt noch Städte, welche so einsichtsvoll waren und dem Zuge der Zeit, ihr Grundeigentum wie eine Ware zu verschleudern, nicht gefolgt sind. Diese Gemeinden erheben keine kommunalsteuern, ja in einigen derselben hat der Steuererheber die angenehme Pflicht, dem Bürger noch etwas herauszuzahlen. Das klingt uns so unglaublich, daß wir glauben einen Provenzalen aus Tarascon zu hören, und doch passiert dieser Vorgang in Deutschland, allerdings nicht in Berlin, der Stadt der Intelligenz.

Hier sind alle Fortschritte der Kultur, der Technik, die großen Errungenschaften der Siege von 1870/71 der Grundrente zu gute gekommen; diese wurde in der Kaiserstadt dick und fett, während trotz allen äußeren Glanzes die Masse der Bevölkerung ein an Not und Sorge reiches Dasein führt, über welches das glatte Äußere von Berlin nicht hinwegtäuschen kann.

Wie treffend führt nicht Adolf Wagner diese Ent-
        
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