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VII. Theater und Konzert

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

52 Grotzstadt-Dokuinente Bd. 44. Großstadt-Sozialismus.

Theaterrestaurant konsumiert; bis auf den teuren Sitzplatz verfolgt uns die Grundrente. Sie hält erst ihre nimmersatten Hände hin, bis wir zum Kunstgenuß eines modernen oder klassischen Stückes gelangen können.

Von einer Kunst für das Volk kann bei solchen Verhältnissen gar keine Rede sein. Die zahlreichen Berliner Theater arbeiten nur für die dünne Oberschicht der besitzenden Klassen und für die mehr oder minder bemittelten Fremden, welche nach Berlin kommen.

Der Zusammenhang zwischen teuren Platzpreisen und Grundrente ist den wenigsten Theaterbesuchern klar. Sie schimpfen statt dessen weidlich aus den Theaterdirektor, weil er so unverschämt hohe Preise nimmt; der so Geschmähte ist in den meisten Fällen froh, wenn er seine Gagen und die Ausstattungskosten decken kann; der Löwenanteil der Einnahme geht in der Abgabe an die Grundrente auf.

So ist es kein Wunder, daß die Berliner Theater in letzter Linie Geschästsunternehmungen sind, bei denen der Kaufmann ein gewichtigeres Wort mitzusprechen hat als der Künstler. Für die dramatische Kunst und ihre Pflege liegt in diesem Moment keine Förderung, und so ist es nicht verwunderlich, daß ein Theaterdirektor stets auf der Suche nach sensationellen: Schlagern ist, welche das Haus füllen und die hohen Villettpreise willig ertragen lassen.

Bei dieser Sachlage sollte die Kommune in erster Linie dazu berufen sein, für die große Masse der Bürger das Theater als das zu erhalten, was es sein soll: eine Bildungsstätte. Die Kunst muß dem Volk erhalten bleiben auf alle Fälle, die echte Kunst, nicht der Schund, welcher jetzt geboten werden mutz. Wir sind fest davon überzeugt, daß jeder echte Theaterdirektor, in welchem Künstlerblut steckt, lieber wirklich gute Sachen
        
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