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IV. Die Hygiene ist der Racker

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

IV. Die Hygiene ist der Racker.

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denkliches Sturmzeichen, welches für die spätere Gesundheit der heranwachsenden Jugend ein ungünstiges Horoskop stellt.

Obwohl viele Klassenzimmer nichts mit dem Inneren des Venusberges zu tun haben, so gleichen sie demselben doch in einem, was schon Tannhäuser klagend vermißt.

„Denn nicht mehr sehe ich die Sonne, nicht mehr des Himmels

freundliche Gestirne, den Halm seh ich nicht mehr."

Direktes Himmelslicht verirrt sich nicht in jedes Klassenzimmer.

Doch welch' herrliche Spielplätze im saftigen Grün des Rasens tun sich vor unserem trunkenen Blicke aus! Welch' srohe Jugend eilt hinter dem rollenden Ball her, wie strecken sich die jugendlichen Körper im Wohlgesühl des Varlaufs! Und dort welch' freundliches Bild! Auf ein Kommando des Lehrers springt die schwimmbeslissene Schaar der Knaben ins Wasser und lernt, sich durch Bewegungen vom Wasser tragen lassen; und hier steht der Schularzt und um ihn herum die lernbegierige Jugend, und er weiht sie ein in manche Geheimnisse menschlichen Werdens und Vergehens. Und sieh', dieser Schularzt ist kein bloßer Medizinmann. Er kennt den Zusammenhang von sozialer Not und Krankheit, ja er weiß, daß seine Kunst nur Flickwerk ist, solange aus den grauen engen Massenquartieren immer neue Reserven an Menschenkindern für alle möglichen Krankheiten herbeiströmen. Der Arzt ist deshalb ein Wohnungsreformer und als solcher Vodenreformer!

„Na, die Sorte könnten wir g'rad noch unter den Schulärzten gebrauchen," tönt's an unser Ohr; „det Volk is schon überhaupt nicht mehr zufriedenzustellen, un' denn sollen wir uns noch so 'nen Arzt von der Wertzuwachssteuer in unsern Pelz setzen; is nich."

Diese Worte riefen uns in die Wirklichkeit zurück;

Großstadt-Dokumente Bd. 44.	3
        
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