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II. Das großstädtische Wahlrecht, ein Vorrecht der Hausbesitzer

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

26 Großstadt-Dokumente Bd. 44. Großstadt-Sozialismus.

haben mag, von der aber heute das Goethesche Wort gilt: Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage. Die Bestimmung hat heutzutage wenig Wert mehr, und nicht nur in den großen Städten, wie in Berlin, sondern auch in mittleren Städten ist durchaus keine Garantie gegeben, daß derjenige, welcher ein Haus besitzt, nun gerade ein besonders qualifizierter Mann für die Stadtverordnetenversammlung sein müsse. Ich meine umgekehrt, daß schon oft jemand, der kein Haus besitzt, zum Stadtverordneten sich nicht nur ebensogut qualifiziert, sondern daß dieser sich vielfach noch besser dazu eignet.

Freilich behauptet die in Berlin herrschende Klasse, daß eine Änderung des Wahlrechts unabsehbare verhängnisvolle Wirkungen haben müsse; man vergißt dabei, daß in Elsaß-Lothringen jeder Deutsche vom 25. Iahre an zu wählen hat und zu wählen ist; es besteht das Reichstagswahlrecht in der Gemeinde. Freilich würde bei Einführung desselben die bisherige Klassenherrschaft in Berlin weggefegt werden und vielleicht würde eine andere Klassenherrschaft folgen. And doch wäre sie nicht zu fürchten; denn dieselbe würde ebenso unfähig sein, wie jede andere Klassenherrschaft.

Aber jjanz abgesehen von der Einführung des Reichstagswahlrechts in der Kommune Berlin wird die bestehende Klassenherrschaft sich nicht einmal dazu verstehen, verständigen Minderheiten nach dem Propor-tionalwahlsystem eine Vertretung einzuräumen. Wenn z. B. die Partei A 990 Stimmen hätte, müßte sie 5 Vertreter haben, die Partei B bei 1650 Wählern 8 die Partei C bei 1830 Wählern 9 und die Partei D bei 330 Wählern 2, vorausgesetzt, daß zur Erreichung eines Mandates je 200 Stimmen nötig wären.

Dieses Proportionalwahlsyftem würde schon einen Fortschritt bedeuten; aber der Berliner will von solchem
        
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