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I. Berliner Wohltätigkeit

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

12 Großstadt-Dokumente Bd. 44. Grotzstadt-Sozialismus.

müssen, weil die Eltern den Mietzins für eine wirklich angenehme Wohnung nicht erschwingen können.

Wer von unseren Wohltätigkeitsbeflissenen denkt an diesen Zusammenhang der Dinge, wenn er hocherfreut von der Bank die Summe für seinen Verein erhält; welche öffentliche Stimme, die laut orbi et urbi die große neue Wohltat verkündet, denkt diesen ganzen Hergang bis zum Ende durch, und welcher Zeitungsleser bewundert nicht den Wohltätigkeitssinn des Herrn Bankdirektors? Dieser kennt freilich oft den Zusammenhang; aber er braucht die Wohltätigkeit für das Renommee seines Instituts wie eine kräftige Bouillon den Markknochen. Was auf der einen Seite für Wohltätigkeit ä conto gegeben wird, Kommt reichlich verzinst auf dem Grundstückskonto wieder heraus.

Bei dieser Lage der Dinge ist vorläufig gar nicht daran zu denken, daß die Wohltätigkeit Berlins sich in den Dienst der Befreiung der Bevölkerung von der Grundrente stellt. Wirkliche echte soziale Wohltätigkeit würde man treiben durch Agitation für Steuern, welche die Grundrente eindämmen, durch Indienststellung aller Wohltätigkeitskräfte in die Arbeit der Baugenossenschaften, durch Erbauen von Familienhäusern und durch Spenden von Mitteln für Baugenossenschaften.

Der zweite Grund, weshalb die Großstadtwohltätigkeit sich zu solchen wirklich sozialen Arbeiten nicht verstehen wird, liegt auf dem persönlichen Gebiet, und damit beschreiten wir eins der weniger angesehenen Felder, auf welchem die Großstadtwohltätigkeit ihre Weide findet.

Wenn wir derjenigen Kräfte gedacht haben, welche aus reinem Idealismus, aber in anderer Auffassung als die unsrige ist, sich der Wohltätigkeit widmen, so dürfen wir aber nach Erwähnung des Weizens auch der Spreu nicht vergessen.
        
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