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I. Berliner Wohltätigkeit

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

I. Berliner Wohltätigkeit.

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Halske, selbst zugestanden, wenn er sagt: hätte die Firma seinerzeit die Terrains gekauft, welche man billig haben konnte, so hätte dieses eine Terraingeschäft mehr eingebracht, wie die ganze lange aufreibende, den ganzen Mann und den ganzen Geist erfordernde Arbeit im Dienste der Wissenschaft und der Elektrotechnik. Fürstliche Brauer in Berlin haben gewiß Geld mit ihrem Bier verdient, aber was ist dieser saure Verdienst gegen die mühelosen Gewinne, welche Terrainbesitz diesen Firmen brachte und noch bringt? Die Wohltätigkeit ist auf Kreise angewiesen, welche aus solchen Geschäften Geld gemacht haben, aus Leute, welche wieder von diesen Kreisen abhängen, auf Großbanken, welche selbst in Terrain direkt und indirekt machen.

Es liegt ein eigentümliches Satyrspiel darin, daß gerade diejenigen Kreise, welche bewußt oder unbewußt den Boden verteuern und dadurch zur Erzeugung des sozialen Elends in der Reichshauptstadt beitragen, daß diese Kreise für den Wohltätigkeitsbetrieb unentbehrlich sind.

Ein bekannter Wohltätigkeitsmensch war ein gewisser St., der in allen möglichen Wohltätigkeitsvereinen tätig war, selbst in einem solchen zur Beschaffung von Brennholz für die weniger Bemittelten im Winter. Der gute Mann ahnte wohl kaum, wie viele von den der Unterstützung Bedürftigen er selbst hervorgebracht hatte. Er wäre sicher entrüstet gewesen, hätte man ihn nicht als Wohltäter gefeiert.

Wie prächtig liest es sich, daß die und die Bank ein paar tausend Mark für die bedürftigen und kranken skrophulösen Kinder gegeben habe! Und doch hat dieselbe Bank durch ihre Termingeschäfte den Grund und Boden so verteuert, daß Kinder, welche zu ihrer Entwickelung Luft, Licht, Sonne, trockene große Räume nötig haben, in engen, dumpfen Wohnungen aufwachsen
        
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