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I. Berliner Wohltätigkeit

Full text: Großstadt-Sozialismus / Ebeling, Martin

8 Großstadt-Dokumente Bd. 44. Großstadt-Sozialismus.

presse, welche rastlos aus der Suche nach neuem Stoss begierig aus jede Neugründung stürzen muß, um Futter für die Zeitung zu finden, oder weil bedeutende Namen, welche man nicht übergehen dars, an der Spitze des

Komitees stehen.

Mit manchen Gesellschaften zur Bekämpfung irgendwelcher Übel geht es wie mit der Haager Friedenskonferenz. Kaum hatte Nikolaus II., ein wirklich guter Mensch von reinem und untadelhastem Charakter, seine Art von politischer Wohltätigkeit im Haag eröffnet, kaum saßen die Diplomaten im Dienste der wohltätigen Sache preislich zusammen, als es Krieg auf Krieg gab; die Furie des Krieges, welcher man Fesseln anzulegen meinte, fühlte sich so frei wie nie zuvor und schlug überall ihre Klauen ein, von Afrika bis zum fernsten Osten. Ähnlich geht es mit manchen Wohltätigkeitsbestrebungen. Man bekämpft die Säuglingssterblichkeit durch Begründung einer Gesellschaft, und siehe da, die Säuglinge sterben in Berlin zahlreicher denn vor dem Wirken der Gesellschaft; man bekämpft die Geschlechtskrankheiten, und die Wartezimmer der Spezialiften dieses Genres sind voller denn je und die Zahl der Spezialiften für Hautleiden usw. steigt in rascher Progression.

Fern soll es uns liegen, allen jenen treuen Helfern bei diesen Bewegungen zu nahetreten zu wollen. Sie handeln durchaus nach dem Matz ihrer in die wirtschaftlichen Dinge vorhandenen Einsicht und aus Grund derjenigen Weltanschauung, zu welcher man sich durchgerungen hat. Es steckt eine starke ideale Kraft in allen diesen Bewegungen, aber man wird am Ende derselben müde die Arme in den Schoß legen und am Erfolge verzweifeln, weil derselbe gar nicht eintreten kann. Oleum ac sudorem perdidi, Ich hab mein Ol und meinen Schweiß unnütz verloren — das ist das Ende, weil man
        
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