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Wilhelm Voigt der Hauptmann von Köpenick Der Hauptmann von Köpenick

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

88 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

wirklichen, gemeinen Verbrecher Hennig, der sich wie ein wütendes Tier gebärdete und den ich oft viertelstundenlang wie eine Hyäne schreien hörte.

Voigt hat etwas geräuschloses in seinem Auftreten, man hörte ihn nicht kommen und nicht gehen.

Er ist ein allererster Redner.

Viele amüsante Stunden habe ich in der Zelle mit ihm verlebt, wenn er humorvoll wurde und in seiner leicht satirischen, halb wehmütigen Weise die Geschichte des Köpenicker Überfalles erzählte.

Der schlotternde Bürgermeister war für ihn ein Objekt feinen Spottes; „er knickte zusammen, wie eine Lilie," pflegte er von ihm öfter zu sagen, auch über den Stadtrat machte er sich lustig, welcher mit der Frau Bürgermeisterin, dem einzigen Manne im Rathause, leise sprach und den er beargwöhnte.

Er fragte ihn dann in schnarrendem Offizierstone, den er sehr gut beherrscht, worüber er mit der „gnädigen Frau" spräche, woraus der Stadtrat erwiderte, es handle sich um die Abbestellung der heute abend angesagten Gesellschaft beim Bürgermeister.

Voigt tat sehr entrüstet und untersagte ihm solche Unterhaltungen, welche sich für ein „öffentliches Gebäude" nicht eigneten.

Der Stadtrat sagte sein ständiges: „Jawohl, Herr Hauptmann" und zog sich ehrfurchtsvoll zurück.

Die Strafe von vier Jahren Gefängnis, welche Voigt getroffen hat, ist im Vergleich zu dem Gnesener Urteil sehr milde; sie ist aber doch eine sehr grausame Quittung für das beste Lustspiel aller Zeiten.

Hoffentlich gelingt es, die Begnadigung des Märtyrers herbeizuführen.

Zum Schlüsse lasse ich einige Briefe Voigts folgen, an denen seine schöne Schrift und der gute, richtige Stil
        
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