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Wilhelm Voigt der Hauptmann von Köpenick Der Hauptmann von Köpenick

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

82 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

Nicht vorhanden war sie aber in den sonst so rückständigen Ochsenkopsstaaten, nämlich den beiden Mecklenburg.

In Mecklenburg-Schwerin bestehen Aufenthaltsbeschränkungen nur für vorläufig entlassene Strafgefangene; die polizeiliche Kontrolle soll aber nach dem Schweriner Gesetz nur so ausgeübt werden, daß „der Entlassene in seinem Fortkommen weder gehindert noch der öffentlichen Verachtung ausgesetzt wird."

Für Strelitz, wozu Wismar, der letzte Aufenthalt Voigts, gehört, bestehen aber keinerlei Ausweisungsbefugnisse.

Es war also ein Rechtsbruch, wenn die Behörde Voigt zwang, wieder den Wanderstab zu ergreifen und eventuell ein „polizeiverfolgter Vagabund" zu werden.

Was hätte die Behörde gesagt, wenn der Mann, den man aus dem warmen Bette des Verdienstes geschleudert hatte, zum Mörder geworden wäre.

Es hätte dies den verbrecherischen Antezedenzien Voigts entsprochen.

Der schwere Einbrecher wird, zur Verzweiflung getrieben, auch zum Mörder.

Voigts starke Natur, die in dem Elend langer Zuchthausjahre geläutert war, sträubte sich aber gegen verbrecherische Manipulationen, er wollte sich ein ruhiges Alter sichern, womöglich noch heiraten und als angesehener Mann sterben.

Es mutz überhaupt gegen die muckerische Auffassung Front gemacht werden, als ob eine Strafe ein Kainszeichen bedeutet, das für immer vom gesellschaftlichen Verkehr ausschließt, etwa, wie eine Tätowierung, die man nicht wieder los wird.

Die Strafe ist durch die Verbüßung erlegt.
        
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