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Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

76 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

Gegenliebe weder bei dem Vorsitzenden noch bei den Geschworenen; letztere verurteilten sogar nur wegen fahrlässiger Tötung.

Das Unglück wollte, daß das arme Mädchen bei Verbüßung ihrer Strafe von einem Gefängniswärter vergewaltigt und geschwängert wurde.

Die Gnesener Verhandlung gegen Voigt dauerte etwa zwanzig Minuten.

Aach kurzer Beratung war sich das Gericht einig darüber, einem Mitmenschen auf fünfzehn Jahre die goldene Freiheit zu nehmen!

Der Vorsitzende im Köpenicker Prozesse, der mit Recht zum Reichsanwalt beförderte Landgerichtsdirektor Dietz konnte sich in seiner humanen, ehrlichen Art nicht enthalten, in der Hauptverhandlung zu sagen: „Heute dürste das Arteil wohl nicht mehr möglich sein."

Dem muß ich leider widersprechen. Ein solches Urteil ist in der Provinz, wo überhaupt höhere Strafen verhängt werden als in Berlin, aber auch hier in Einzel-fällen, noch immer möglich.

Ich selber habe es in einer zu Berlin abgeurteilten Bandendiebstahlssache gegen Hamann und Genossen erlebt, daß über den Haupttäter fünfzehn Jahre Zuchthaus verhängt wurden, die er noch heute verbüßt.

Der Oberstaatsanwalt von Posen wurde bei einer Revision des Rawitscher Zuchthauses auf Voigt aufmerksam gemacht; er fragte ihn, als er die drakonische Strafe im Register vermerkt sah, wörtlich: „Habt Ihr einen totgeschlagen?" und konnte, über den wahren Sachverhalt belehrt, das Urteil nicht fassen.

Ich habe mir einen Teil der „Gründe" des Gnesener Erkenntnisses abgeschrieben, weil sie bezeichnend sind für die Denkweise der Strafkammer: „Sie wollen ihre Tat nur deshalb im milderen Lichte beurteilt wissen, weil sie
        
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