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Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

Die Mannesjahre.

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Die Feder sträubt sich, dieses furchtbare Verdikt niederzuschreiben.

Die Namen der Richter, welche an dieser kriminalhistorisch so merkwürdigen Entscheidung mitgewirkt haben, sind folgende:

Landgerichtsdirektor Gernoth, die Landrichter Molle und Matthäi, der Amtsrichter Klo er und der Gerichtsassessor Gabbler.

Ich möchte als Richter nicht eine solche fürchterliche Strafe verhängen.

Es scheint aber, als wenn manche Berufsrichter das Gefühl der schweren Verantwortlichkeit, welche sie auf sich laden, nicht kennen, während der Geschworene vor drakonischen Sentenzen zurückschaudert, weil ihm die Verhängung von Strafen nicht tägliches Brot geworden ist.

Charakteristisch ist die Geschichte von dem Staatsanwalt, welcher nach einem längeren Plädoyer den Antrag: „10 M." gegen den Angeklagten stellt und vom Vorsitzenden gefragt, ob dieses „M." Mark oder Monate bedeutet, erwidert: „Stelle anheim."

Natürlich ist dies eine Erfindung, denn der Staatsanwalt, der sich ein solches juristisches Husarenstückchen leistete, würde vermutlich sehr bald Amtsrichter in Bomst oder Nieseritz sein. Die Anekdote soll aber nur dartun, wie sich im Laufe der Zeit um viele Berufsjuristen eine Eiskruste legt, die das fühlende Herz erkältet.

Selbst erlebt habe ich es aber, daß sich ein Staatsanwalt bei einem Kindesmord in Potsdam sehr entrüstet darüber äußerte, daß die Angeklagte ein offenes Geständnis abgelegt hätte; denn nun könne das Gesetz nicht mehr in seiner ganzen Schärfe gegen die Täterin zur Anwendung gebracht werden.

Er fand mit dieser mittelalterlichen Auffassung aber
        
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