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Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

74 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

wenn der Diebstahl an solchen geringen Objekten in dieser furchtbaren Weise geahndet wird.

Darin liegt zugleich eine Überspannung des kapitalistischen Prinzips, welches leider aus dem preußischen Kriminalkodex in das Reichsstrasgesetzbuch übergegangen ist.

Die meisten Vermögen sind wirklich nicht so reinlich erworben, als daß man ihren Bestand mit Gesetzen schützen sollte, welche mit Blut geschrieben sind.

Voigt, der sich über zwanzig Jahre ehrlich durchs Leben geschlagen hatte, geriet nunmehr wieder aus die Bahn des Verbrechens.

Er war damals etwas über vierzig Jahre alt; denn er ist am 13. Februar 1849 geboren.

Im Gefängnis lernte er einen gewissen Kallenberg kennen, welcher zweimal eine unglückliche Rolle in seinem Leben spielte, zunächst, als er den Einbruch in die Gerichtskasse von Wongrowitz ausheckte, sodann, als er Voigt in der Köpenicker Affaire „verpfiff".

Voigt und Kallenberg beschlossen im Jahre 1891 in die Gerichtskasse von Wongrowitz einzubrechen.

Sie hatten bereits alle Schwierigkeiten überwunden und die Kasse geplündert, als sie von einem zufällig revidierenden Wächter bemerkt und festgenommen wurden.

Voigt hielt Kallenberg, welcher von seinem Revolver Gebrauch machen wollte, gewaltsam zurück und verhinderte dadurch ein Blutvergießen, zugleich aber auch die Flucht.

Diese anständige Regung, sowie sein offenes Geständnis und die Rückgabe des gestohlenen Geldes wurde ihm vom Gerichte nicht mildernd angerechnet.

Er wurde vielmehr am 12. Februar 1891 „wegen schweren Diebstahls im Rücksalle" zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
        
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