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Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

Die Jugend.

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Nebenbei beschäftigte er sich mit literarischen Studien.

Der Bruder seines Vaters, ein hochgebildeter Mann, welcher für ihn zu früh starb, hatte ihm eine Bibliothek klassischer Schriftsteller hinterlassen. Diese studierte er in heißem Bemühn. Zitate aus dem Wallenftein oder Egmont gehörten in Gesprächen mit mir nicht zu den Seltenheiten.

An Voigt bestätigt sich die alte kriminalistische Erfahrung, daß der keim des Verbrechens in der mangelnden Kinderstube zu suchen ist.

Gewiß straucheln auch solche, welche eine ausgezeichnete Erziehung genossen haben und aus geordneten, ja glänzenden Verhältnissen hervorgegangen sind.

Das sind aber räudige Schafe, welche in ihren Familien selber als eine Abnormität empfunden werden.

Voigt hatte das Unglück, seine Mutter ganz früh zu verlieren und einen Vater zu besitzen, der dem Spiele und dem Trunke ergeben war.

Er prügelte Frau und Kinder, wenn er schnaps-duftend nach Hause getaumelt kam.

Durch seine Ausschweifungen brachte er seine Familie an den Bettelstab.

Infolgedessen mußte Voigt als ganz junger Mensch in die Welt gehen.

Er bemerkt dazu in seinem „Lebenslaus", einer an mich gerichteten Information, die ich am Schlüsse handschriftlich mitteile: „Ich mußte hinaus in die Welt. War ich aber reif dafür?"

Der überschäumende Tatendurst führte ihn auf die Bahn des Verbrechens.

Er erhielt in den sechziger Iahte unbedeutende Diebstahlsstrafen und lernte am 13. April 1867 die erbarmungslose Rechtspflege jener Zeit in der hohen Strafe von zehn Iahren Zuchthaus und 1500 Talern
        
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