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Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

70 Großstadt-Dokumente Bd. 42. Meine Klienten.

ließ und sich an den intelligenten Augen des Knaben erfreute.

Voigt ist mit der vaterländischen Geschichte genau bekannt.

Er nannte mir die Jahreszahl des Friedens von Tilsit mit historischer Genauigkeit, die gewaltige Persönlichkeit des männermordenden Korsen Napoleon war ihm genau vertraut, er beschrieb seine Uniform, er zeigte sich genau über den Feldzug von 1812 in Rußland orientiert.

Er ist von Jugend auf ein guter Patriot gewesen.

Im Zuchthause zu Rawitsch war er bei den Mitgefangenen sehr unbeliebt, weil er ihre revolutionären Tendenzen nicht billigen wollte.

So fungierte er im Kirchenchor zu Rawitsch mit Leidenschaft als Kirchensänger; sein Pfarrer hat ihm ein glänzendes Zeugnis über seine Pflichttreue und seine Fähigkeiten in dieser Funktion ausgestellt.

Auch sein Vater war ein begeisterter Soldat gewesen.

Er hatte unter dem „alten Wilhelm", den eine byzantinische Geschichtsschreibung den „Großen" zu nennen liebt, 1849 in Baden gegen die Revolution gefochten.

Gegenüber von der väterlichen Wohnung befand sich eine Dragonerkaserne, welche einen Hauptanziehungspunkt für den Knaben bildete.

Dort hat er die militärischen Talente erworben, welche er gegenüber dem Bürgermeister von Köpenick an den Tag legte.

Die Offiziere gewannen den kleinen, beweglichen Burschen lieb und duldeten es, daß er sich auf dem Exerzierplätze und in den Pferdeställen umhertrieb, so daß er schließlich, wie er in einem an mich gerichteten Lebenslause schreibt, „im kleinen Waldersee besser Bescheid wußte als im Katechismus."
        
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