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Theodor Berger Das Zuhältertum

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

38	Gro ßstadt-D okumente Bd. 42. Weine Klienten.

ist, sie braucht nur aus dem nächsten Polizeibureau eine Anzeige wegen Zuhälterei anzubringen, die in der Regel mit der Verurteilung zu exorbitant hohen Strafen endet.

Der Wind weht in den höheren Regionen scharf gegen die „Unsittlichkeit" und ein Hauch davon ist in den hohen Strafanträgen der Staatsanwaltschaft zu spüren.

Infolgedessen wird die Dirne vielfach besser behandelt als die Ehefrau in Arbeiterkreisen.

Berger gehörte aber auch nicht zu den vertierten Zuhältern, denen jede andre als verbrecherische Regungen fremd sind.

Gr hatte das Außere eines Kavaliers mit langem blonden, wohlgepflegten Schnurrbart und stets eleganter sauberer Kleidung; er war eine arbeitsscheue Natur, die sich durch jahrelange sinnliche Ausschweifungen und nächtliches Bummelleben bis in die Knochen körperlich ruiniert hatte.

Er war nicht mehr imstande, sich aufzuraffen und siel daher in die Netze der Liebethrut.

Wer sie im Gerichtssaal gesehen hat, mit der Figur einer Berolina, den brutalen Bewegungen und dem finsteren Gesicht, begriff ohne weiteres die dämonische Gewalt, welche diese Stratzendirne über Berger besaß.

Sie hat sich in ihrem „Berufe", dem Gewerbebetrieb im Umherziehen, wie die meisten ihrer Kolleginnen, schwere Krankheiten geholt; ihre Nase ist unter den Folgen einer solchen zusammengefallen, was sie selber oft als eine Strafe des Schicksals bezeichnet hat.

Berger hat Briefe aus dem Gefängnis und dem Zuchthaus geschrieben, welche tiefe Einblicke in sein Seelenleben gewähren und vor allem sein Verhältnis zur Liebethrut charakterisieren.

Besonders interessant ist das nachfolgende Schreiben
        
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