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Theodor Berger Die Voruntersuchung

Full text: Meine Klienten / Bahn, Walter

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Es entscheidet also mitunter der reine Zufall.

Hat der Angeklagte das Glück, einen sachkundigen und vorurteilslosen Referenten zu finden, so ist er natürlich geschützter, als wenn er drei voreingenommene Richter als Schicksal über sich hat.

In diesem Punkte mutz das Gesetz sichere Kautelen schaffen, welche den Angeklagten den bloßen Zufälligkeiten entrücken und eine Gewähr für die Erforschung der objektiven Wahrheit geben.

Das beste Medikament zur Beseitigung von Justizirrtümern ist stets die Öffentlichkeit gewesen.

Das Gesetz müßte, um den unbescholtenen Angeklagten nicht bloßzustellen, eine Verhandlung in Gegenwart des Angeklagten (unter Zuziehung eines Verteidigers) und der Zeugen anordnen und dann erst eine Entscheidung fällen.

Dann würde mancher nicht auf die Anklagebank geschleppt werden, welcher zwar freigesprochen, aber blutenden Herzens und in der Öffentlichkeit blamiert, den Gerichtssaal verläßt.

Mehr Achtung vor dem Menschentum muß beobachtet werden.

Der Mensch, der das gleiche Antlitz, wie jeder seiner Mitbürger trägt, muß stets als Mensch, aber nicht als Objekt einer mitleidlosen Strafrechtspflege betrachtet werden.

Erfreulicherweise befinden sich unter den Richtern viele moderne Männer, die diesen Grundsatz beherzigen und praktisch betätigen.

Auch in der Hauptverhandlung selber sind die Rechte des Angeklagten noch viel zu geringe.

Es besteht zwischen dem Vorsitzenden, welcher das Ganze leitet, und dem Staatsanwalt stets eine Art
        
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